Dienstag, 21. April 2026

Helmut Wallrafen ist neuer Rugby-Präsident

Der Aachener wurde in Duisburg zum Nachfolger Michael Seidlers gewählt

Helmut Wallrafen (70), der von 1996 bis Anfang dieses Jahres Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach war und seit über 20 Jahren Vorsitzender des Rugby-Clubs Aachen ist, wurde am Sonntag in der Sportschule in Duisburg-Wedau zum Vorsitzenden von Rugby Deutschland (RD) gewählt.

Der führende deutsche Sozial-Manager und Buchautor ist damit Nachfolger des Berliners Michael Seidler (67), der in seinem ersten Amtsjahr ungeheuer viel zur Sanierung des Verbandes geleistet hat, nun aber wegen einer Erkrankung aufgeben musste. Seidler kündigte allerdings an, weiterhin in einer Kommission mitzuarbeiten, die die erheblichen Verfehlungen von Vorständen und Präsidiumsmitgliedern zwischen 2016 und 2024 aufarbeitet, die den Verband in eine gefährliche Schieflage gebracht haben.

Seidler und seine Vizepräsidenten informierten die Delegierten des Deutschen Rugby-Tages in aller Offenheit über die Probleme, die seit Anfang 2025 zu bewältigen waren. So hat der Verband aufgrund der Verstöße gegen Gesetze und die Abgabenordnung für die Jahre 2019 und 2020 die Gemeinnützigkeit verloren, einen Strafbefehl des Finanzamtes Hannover erhalten und Steuern in Höhe von über 40000 Euro nachzahlen müssen. Da es frühere Vorstände versäumt haben, Zuschüsse von World Rugby zu beantragen und gewährte Zuschüsse korrekt abzurechnen, ist dem Verband ein Schaden von gut 400.000 Euro entstanden, was den neuen Finanzvorstand Ralf Theune gezwungen hat, den Wirtschaftsplan für 2026 entsprechend zu kürzen. Das führt zu erheblichen Einsparungen in allen Bereichen.

Nur das olympische Siebenerrugby, das von der Bundesrepublik Deutschland 2026 mit 1,376 Millionen Euro gefördert wird, bleibt voll finanziert, während das Fünfzehnerrugby, der Breitensport und die Verwaltung mit rund 800000 Euro auskommen müssen. Theune kündigte strenges Sparen an.

Helmut Wallrafen wurde mit großer Mehrheit gewählt. Der neue Finanz-Vizepräsident Andreas Krimpmann (Berlin), Niko Colic als Vorsitzender des Bundesliga-Ausschusses, Dirk Frase als Vorsitzender der Rugby-Frauen und Marie-Louise Finck, bekannt als schlaue Frau im „Quiz-Olymp“ der ARD, als Mitglied des Schiedsgerichts erhielten Voten von über 95 Prozent. Claus-Peter Bach, DRV-Präsident von 2005 bis 2011, Vizepräsident von Rugby Europe von 1994 bis 2012 und Vorsitzender des Rugby-Verbandes Baden-Württemberg von 1986 bis 2026, wurde von Deutschen Rugby-Tag mit 99,1 Prozent in das Ehrenpräsidium gewählt, dem außerdem Fritz Raupers (Hannover), Peter Welsh (Berlin) und Ian Rawcliffe (Rödermark) angehören.

Das Präsidium gab zwei wichtige Personalentscheidungen bekannt: Frederik von Au (33) wird ab dem 1. Mai neuer Geschäftsführer, Felix Lammers (29) ab dem 1. Juni neuer RD-Sportdirektor. Beide werden am Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar arbeiten.

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