Deutschlands Rugby-Team verliert in
der Schweiz mit 25:35 und steigt aus der EM-Division 1 ab – Rot für
Kapitän Justin Renc
Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft
ist bereits einen Spieltag vor Schluss aus der Division 1 der
Europameisterschaft abgestiegen. Am Samstag unterlag die Fünfzehn
von Trainer Mark Kuhlmann, der am Sonntag in Madrid im Spiel um Platz
7 gegen die Niederlande zum letzten Mal als Nationaltrainer die
Verantwortung tragen wird, in Yverdon-les-Bains der Schweiz mit 25:35
(10:15) Punkten. Nach diesem Resultat spielen die Eidgenossen in
Madrid gegen Belgien um EM-Rang 5. Damit sind sie in der
Endabrechnung der Jahre 2025 (7.) und 2026 (mindestens 6.) besser als
die Deutschen, die nach Platz 8 im Vorjahr nun bestenfalls Rang 7
erreichen können. Das aber wird schwer genug.
„Diese Niederlage und der Abstieg
sind für mich eine mächtige Enttäuschung. Wir sind daran aber
selbst schuld“, sagte Mark Kuhlmann, dessen Team erneut nicht gut
genug gespielt hat, um diese Schweizer, die die entscheidende Führung
erst 13 Minuten vor Schluss an sich rissen, zu besiegen. „Wir waren
nicht gut genug, weder in Belgien noch in der Schweiz“, lautete das
bittere Fazit des Nationaltrainers.
Dieses waren die spielentscheidenden
Schwächen: Bei sechs eigenen Gasseneinwürfen wurde der Ball nur
einmal erobert. Damit fehlte dem Team die Möglichkeit zu schnellen
Angriffen. In der eigenen 22-m-Zone und bei Angriffen bis vor das
gegnerische Malfeld passierten unbegreifliche Vorwürfe, die die
Schweizer in Ballbesitz brachten und eigene Versuchschancen
zerstörten. Die Zeitstrafe für Eric Marks, der die Schulter an den
Hals eines Gegners rammte, und die Rote Karte für Kapitän Justin
Renc, der mit dem Knie auf den Kopf eines Schweizers steigen wollte
(diesen aber nicht traf), waren harte, aber vertretbare
Entscheidungen des jungen walisischen Schiedsrichters Carwyn Sion,
bei denen er den Videobeweis zu Rate zog. Deutschland spielte also 22
Minuten in Unterzahl, acht Minuten sogar nur mit 13 gegen 15 Mann.
Disziplinlosigkeiten, auch im Spiel am angeordneten Gedränge, sind
leider ein Markenzeichen des deutschen Nationalteams. Jules Porcher,
der famose Kicker, bedankte sich mit drei Straftritten und neun
Punkten.
Die deutsche Mannschaft erzielte drei
Versuche durch Außendreiviertel Felix Lammers (4.) nach Doppelpass
mit Leo Wolf, durch Flankenstürmer Oliver Stein (59.) nach einem
Durchbruch von Luke Wakefield und durch Sturmführer Iestyn Rees
(64.). Der ehemalige Kapitän der U20-Nationalmannschaft von Wales
zählte neben Leo Wolf, Daniel Hamilton-Strong, Robin Plümpe,
Christopher Hennig, Luis Ball und Oliver Stein zu den deutschen
Spielern, die ein Spiel ohne Fehl und Tadel lieferten und den
Schweizern auch ihre volle Willenskraft entgegensetzten. Die
restlichen deutschen Punkte erzielten die Kicker Bader Pretorius (8)
und Christopher Hennig (2).
Die Schweiz erzielte durch Cyril
Fluckiger, Johnatan Dallet, Lucas Schmid und Tom Nublat einen Versuch
mehr und gewannen allein deshalb verdient. Porcher traf auch mit drei
Erhöhungen, buchte also 15 Punkte.
Der vierte Spieltag des
Sechs-Nationen-Turniers war ein Tag der Sensationen. Spitzenreiter
Frankreich wurde auf dem Murrayfield von Edinburgh völlig zerlegt
und verlor nach sieben schottischen Versuchen mit 40:50 Punkten,
wobei Schottland nach 69 Minuten noch mit sogar 47:14 führte. Erst
in den Schlussminuten, als Coach Gregor Townsend sein
Wechselkontingent erschöpft hatte und Schottland in Unterzahl
spielen musste, kamen die Franzosen mit drei Versuchen noch etwas
heran.
Als England bei der WM 1991 gegen
Italien mit 36:6 gewonnen hatte, platzte Englands Trainer Roger
Uttley der Kragen. Die Azzurri seien nur darauf aus gewesen, das
Spiel zu zerstören und zu verzögern, schimpfte Uttley. 35 Spiele
später, die allesamt vom Rosenteam gewonnen wurden, hat Italien im
Olympiastadion von Rom vor 80000 Zuschauern die Sensation geschafft
und die Erfinder des Rugbyspiels erstmals besiegt. 23:18 stand es am
Schluss für die Männer von Trainer Gonzalo Quesada, der die
Versuche von Tommaso Menoncello und Leonardo Marin sowie die 13
Kickpunkte von Paolo Garbisi bejubelte. Die Engländer scorten durch
Tommy Freeman und Tom Roebuck, doch Fin Smith traf nur mit einer
Erhöhung und einem Straftritt.
Das Spiel zwischen Irland und den stark
verbesserten Walisern war hart umkämpft, doch behaupteten die Iren
beim 27:17 Turnierrang drei.
Deutschland: Hennig (FC
Grenoble) – Hamilton-Strong (Loughborough University), Plümpe (RG
Heidelberg), Pretorius (Sao Miguel, 53. Wakefield/SC Neuenheim),
Lammers (SCN, 39. Dixon/SC Frankfurt 1880) – L. Wolf (Frankfurt),
Paine (Frankfurt, 41. M. McDonald/Caldy RFC) – Renc (Kapitän, TSV
Handschuhsheim, 39. Ireland/Oxford Harlequins), Rees (Nottingham RFC,
75. Rayan/Frankfurt), Stein (Frankfurt) – Ball (Watsonians FC
Edinburgh), Marks (RC Vannes) – Zymvragos (Frankfurt, 68.
Shekete/Rossendale RUFC), Ferrar (Bohemians RFC, 41. Tyumenev (CA
Castelsarrasain), Mizera (Hannover 78, 71. D. Wolf/Frankfurt).
Rugby
Sechs-Nationen-Turnier
Irland – Wales
27:17
Schottland – Frankreich
50:40
Italien – England
23:18
Tabelle: 1. Frankreich (TV) 16
Punkte (+79), 2. Schottland 16 (+21), 3. Irland 14, 4. Italien 9, 5.
England 6, 6. Wales 1.
Letzter Spieltag, Samstag, 15 Uhr:
Irland – Schottland; 17.30 Uhr: Wales – Italien; 21
Uhr: Frankreich – England.
Europameisterschaft, Division 1
Halbfinals Plätze 5 – 8
Schweiz – Deutschland
35:25
Belgien – Niederlande
38:15