Freitag, 13. Februar 2026

Rugby-Nationalteam will auch Portugal ärgern

In der Europameisterschaft am Samstag in Dessau die zweite Bewährungsprobe – Siebenerrugby-Team in Nairobi

Nach ihrem völlig unerwarteten 30:24-Sieg über Rumänien ist die deutsche Rugby-Nationalmannschaft guter Laune und vor dem zweiten Europameisterschaftsspiel am Samstag um 13 Uhr in Dessau gegen Portugal voll motiviert. Der Erfolg gegen die vielfachen Europameister, die in den 1970-er Jahren auf einer Stufe mit den Franzosen standen und diese – unter anderem mit dem späteren deutschen Bundestrainer Peter Ianusevici als Außendreiviertel – mehrfach besiegt haben, hat sich sofort ausgezahlt. In der Rangliste von World Rugby hat sich Deutschland um vier Plätze auf Rang 31 verbessert und Paraguay, Russland, Schweden und Brasilien hinter sich gelassen, während Rumänien auf Rang 22 verharrt.

Portugal, EM-Vierter des Vorjahren nach einem 7:21 im Bronze-Finale gegen Rumänien, ist nach dem jüngsten 47:17-Sieg in Belgien in der Weltrangliste um einen Platz auf Rang 19 und damit vor Samoa geklettert. „So gut sind die Portugiesen auch“, sagt Nationaltrainer Mark Kuhlmann (Heilbronn), für den sich an der Zielsetzung nichts geändert hat: „Wir wollen auch gegen Portugal ein gutes Spiel machen, Punkte auf die Anzeigetafel und den Gegner in Verlegenheit bringen. Für uns geht es nur um den Klassenverbleib.“

Mark Kuhlmann und seine Assistenten Michael Poppmeier, Samy Füchsel (beide Frankfurt) und BJ Botha, mit Südafrika Weltmeister 2007, reisten am Donnerstag mit 26 Spielern von Heidelberg nach Dessau, bestreiten am Freitag zwei Trainingseinheiten, frühstücken am Samstag schon um sieben Uhr, um sich zur ungewohnten und den Wünschen des Fernsehens geschuldeten Zeit um 13 Uhr in den Kampf zu stürzen. Die Trainer haben die Start-Fünfzehn aus Gründen der Belastungssteuerung auf zwei Positionen verändert. Für den Erste-Reihe-Pfeiler Edward Shekete (Rossendale RUFC) wird der Frankfurter Cosmo Zymvragos beginnen, für den Zweite-Reihe-Stürmer Ewan McTaggart vom Sutton & Epsom RFC könnte Tobias Bauer (Hannover 78) spielen. Die Deutschen müssen fünf Länderspiele binnen sechs Wochen durchstehen. Kuhlmann freut sich, dass Bader Pretorius vom portugiesischen Spitzenklub Sao Miguel eine Handverletzung auskuriert hat. „Das gibt uns für die Hintermannschaft weitere Variationsmöglichkeiten“, sagt der Trainer.

Die Portugiesen sind nicht so schwer und nicht ganz so groß wie die Rumänen, aber viel flinker und im Angriff deutlich einfallsreicher. Gegen Rumänien hat Deutschland, obwohl vier Versuche gelungen sind, übrigens keinen offensiven Bonuspunkt erhalten. Den gäbe es in der WM, im Sechs-Nationen-Turnier und in der Bundesliga für vier Versuche. Rugby Europe tanzt aus der Reihe und gibt den offensiven Bonuspunkt nur dann, wenn man vier Versuche und drei mehr legt als der Gegner.

Die deutsche Siebenerrugby-Nationalmannschaft startet am Samstag und Sonntag im kenianischen Nairobi in die World Sevens Series, die höchste Liga im Weltrugby. Aussteiger Deutschland trifft auf Belgien, Kanada, Uruguay, Kenia und die USA. Bundestrainer Pablo Feijoo hat mit Cedric Eichholz, Henry Smeed, Jan Lammers, Tim Lichtenberg (RGH), Bennet Veil, Daniel Eneke (TSV Handschuhsheim), Max Roddick, Maximilian Heid, Chris Umeh und Jakob Dipper (SCN) zehn Heidelberger Vollprofis in seinem 14-köpfigen Kader.

Im Sechs-Nationen-Turnier ist Irland am Samstag um 15.10 Uhr Favorit gegen Italien, während Schottland und England um 17.40 Uhr um den Calcutta-Cup kämpfen. Wales ist am Sonntag um 16.10 Uhr Außenseiter gegen Frankreich, dessen Trainer Fabien Galthié ebenfalls zum Mittel der Belastungssteuerung greift, was mit einem 42-er Kader kein Problem ist. Pro7Maxx überträgt alle Spiele, auch aus Dessau, live.

Sonntag, 8. Februar 2026

Historischer Rugby-Sieg in Heidelberg

Zum Auftakt der Europameisterschaft schlägt Deutschland den hohen Favoriten Rumänien mit 30:24

Der Frankfurter Spielmacher Leo Wolf, dem fünf Minuten vor Schluss der entscheidende vierte Versuch zum 30:24 (6:14)-Sieg und zum offensiven Bonuspunkt gelungen war, sprach vom „schönsten Gefühl meines Lebens.“ Der Handschuhsheimer Flankenstürmer Justin Renc, der die deutsche Rugby-Nationalmannschaft erstmals als Kapitän aufs Feld führen durfte, wollte vor Freude die ganze Welt umarmen. Mit einem völlig unerwarteten und dennoch vollkommen verdienten Erfolg über den vielfachen Titelträger Rumänien ist Deutschland erfolgreich in die Europameisterschaft 2026 gestartet, in der nach wie vor nur ein Ziel gilt: Der Klassenverbleib.

1500 Zuschauer erlebten im Heidelberger Fritz-Grunebaum-Sportpark, wohin das Match kurzfristig von Kassel verlegt worden war, eine der besten Leistungen einer deutschen Fünfzehn seit vielen Jahrzehnten. In ihrem „Wohnzimmer“ zeigten die Schützlinge von Nationaltrainer Mark Kuhlmann (Heilbronn) eine fantastische Defensive, und sie spielten auch stark im angeordneten Gedränge und an den Gassen gegen die deutlich höher gewachsenen und schwereren Rumänen, die dann brandgefährlich waren, wenn sie mit dem massiven Sturm ins Rollen kamen. Mark Kuhlmann sagte: „Ich bin zwar nie zufrieden, aber heute bin ich glücklich!“

In der ersten Halbzeit glückten nur zwei Straftritte von Linksfuß Leo Wolf zum 3:0 (16.) und 6:7 (31.), während die rumänischen Eichen zwei Versuche durch ihr Paket (20.) und den für Aurillac in der französischen Pro D2 spielenden Außen Toni Maftei erzielten, die Alin Conache zum 6:14-Pausenstand erhöhte.

Dann aber befolgten die deutschen Spieler den Rat ihres Sturmtrainers Michael Poppmeier (Frankfurt) und nahmen ihre Herzen in beide Hände. Das Ergebnis: Viele selbstbewusste, ja freche Angriffe und vier Versuche durch Gedrängehalb Oliver Paine (50.), Linksaußen Felix Lammers (54.), Rechtsaußen Daniel Hamilton-Strong (70.) und Leo Wolf (75.), der auch drei Erhöhungen ins Goal trat. Dem hatten die zunehmend entnervten Rumänen nur noch einen Versuch von Gheorghe Gajion (73.), eine Erhöhung und einen Straftritt von Conache entgegen zu setzen.

Am Samstag spielt Deutschland um 13 Uhr in Dessau gegen Portugal. Es geht wieder mit 0:0 los, und Pro7Maxx überträgt live.

Titelverteidiger Frankreich, Italien und England heißen die Sieger am ersten Spieltag des Sechs-Nationen-Turniers. Die Franzosen zeigten vor 81000 Zuschauern im Stade de France eine zauberhafte Leistung und besiegten Irland, den Gesamtsieger von 2024, mit 38:14 (22:0). Die Fünfzehn von Trainer Fabien Galthié erzielte fünf Versuche durch Außensprinter Louis Bielle-Biarrey (2), Verbinder Matthieu Jalibert, Zweite-Reihe-Stürmer Charles Ollivon und Rechtaußen Théo Attissogbe, denen Thomas Ramos vier Erhöhungen und einen Straftritt hinzufügte.

Italien kämpfte Schottland im strömenden Regen von Rom nieder und gewann aufgrund einer fantastischen Verteidigungsleistung verdient. Louis Lynagh und Tommaso Menoncello legten zwei Versuche vor, Paolo Garbisi traf mit einer Erhöhung und zwei Straftritten. Die Schotten scorten durch Jack Dempsey und George Horne. Finn Russell traf mit einer Erhöhung und einem Straftritt. Mitfavorit England hatte beim 48:7 in Twickenham gegen das schwache Wales keine Probleme, um einen Hattrick von Henry Arundell und drei weitere Versuche durch Ben Earl, Tom Roebuck und Tommy Freeman zu erzielen.

Deutschland: Hennig – Hamilton-Strong, Plümpe (71. Wakefield), Dawe, Lammers (71. Dixon) – L. Wolf, Paine (64. M. McDonald) – Ingle, Stein, Renc (Kapitän) – McTaggart (41. Rayan), Ball – Shekete (41. Howells), Reitges (56. Ferrar), Mizera (63. D. Wolf)..


Für die Tabellenseite

Rugby

Sechs-Nationen-Turnier

Frankreich (TV) – Irland 36:14

Italien – Schottland 18:15

England – Wales 48:7

Europameisterschaft, Division 1

Gruppe A

Schweiz – Georgien (TV) 3:54

Niederlande – Spanien 33:51

Gruppe B

Deutschland – Rumänien 30:24

Belgien – Portugal 17:47

Samstag, 13 Uhr: Deutschland – Portugal in Dessau.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Gegen Rumänien auch Versuche legen

Auftaktspiel der Rugby-EM am Sonntag um 16 Uhr in Heidelberg – Stadion in Kassel wurde gesperrt

„Was wir wissen können“ heißt der neue großartige Roman von Ian McEwan. Was wir hätten wissen können, muss man sich bei Rugby Europe und Rugby Deutschland eingestehen, nachdem das Winterwetter die beiden Verbände gezwungen hat, das Auftaktspiel der Rugby-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Rumänien, das im Aue-Stadion von Hessen Kassel hätte stattfinden sollen, abzusagen. Das Länderspiel des Außenseiters Deutschland und des hohen Favoriten Rumänien findet nun am Sonntag um 16 Uhr im Fritz-Grunebaum-Sportpark der Stadt Heidelberg am Kirchheimer Harbigweg statt und wird von der Rudergesellschaft Heidelberg organisatorisch begleitet. Direkt daneben im ausverkauften SNP Dome spielen die MLP Academics um 18 Uhr Basketball gegen Bayern München – ein Verkehrschaos ist vorprogrammiert, aber das interessiert bei Rugby Europe oder Rugby Deutschland niemanden.

Rugby-Nationaltrainer Mark Kuhlmann (Heilbronn) reagiert professionell auf die neue Situation, obwohl er bis gestern Mittag noch nicht wusste, wo seine 23 Spieler ihre Beine zur Nachtruhe ausstrecken dürfen und wo es etwas Nahrhaftes zu essen gibt. Das Hin und Her ist einer seriösen EM-Spielvorbereitung nicht förderlich. Immerhin steht fest: Die Delegation trifft sich am heutigen Donnerstagabend und wird am Freitag und Samstag, jeweils um 10 Uhr und um 14.30 Uhr im Landesleistungszentrum beim Heidelberger Ruderklub, vier gemeinsame Trainings absolvieren.

„Gegen die Rumänen, die normalerweise besser sind und ihre Mannschaft bereits auf die Weltmeisterschaft 2027 in Australien vorbereiten, wollen wir gut spielen, Versuche legen, hart verteidigen und ein gutes Ergebnis erzielen“, sagt Mark Kuhlmann. Der 56-jährige Mitarbeiter der MLP AG in Wiesloch hat mit seinen Kollegen Michael Poppmeier und Samy Füchsel (beide Frankfurt) 26 Spieler nominiert, von denen nach den Trainings drei auf der Tribüne Platz nehmen müssen.

Deutschland: Luis Ball (Watsonians Edinburgh), Tobias Bauer (Hannover 78), John Dawe (Guernsey RFC), Aiden Dixon (SC Frankfurt 1880), Darren Ferrar (Bohemians RFC), Jaden Gliatis (Heidelberger RK), Daniel Hamilton-Strong (Loughborough University), Christopher Hennig (FC Grenoble), Christopher Howells (Frankfurt), Shawn Ingle (Maidenhead RFC), Felix Lammers (SC Neuenheim), Michael McDonald (Caldy RFC), Ewan McTaggart (Sutton & Epsom RFC), Dustin Mizera (Hannover 78), Oliver Paine (Frankfurt), Jan Piosik (Hannover 78), Robin Plümpe (RG Heidelberg), Hassan Rayan (Frankfurt), Iestyn Rees (Nottingham RFC), Andrew Reintges (HRK), Justin Renc (Kapitän/TSV Handschuhsheim), Edward Shekete (Rossendale RUFC), Oliver Stein (Frankfurt), Luke Wakefield (SCN), Daniel und Leo Wolf (Frankfurt).