Sonntag, 8. Februar 2026

Historischer Rugby-Sieg in Heidelberg

Zum Auftakt der Europameisterschaft schlägt Deutschland den hohen Favoriten Rumänien mit 30:24

Der Frankfurter Spielmacher Leo Wolf, dem fünf Minuten vor Schluss der entscheidende vierte Versuch zum 30:24 (6:14)-Sieg und zum offensiven Bonuspunkt gelungen war, sprach vom „schönsten Gefühl meines Lebens.“ Der Handschuhsheimer Flankenstürmer Justin Renc, der die deutsche Rugby-Nationalmannschaft erstmals als Kapitän aufs Feld führen durfte, wollte vor Freude die ganze Welt umarmen. Mit einem völlig unerwarteten und dennoch vollkommen verdienten Erfolg über den vielfachen Titelträger Rumänien ist Deutschland erfolgreich in die Europameisterschaft 2026 gestartet, in der nach wie vor nur ein Ziel gilt: Der Klassenverbleib.

1500 Zuschauer erlebten im Heidelberger Fritz-Grunebaum-Sportpark, wohin das Match kurzfristig von Kassel verlegt worden war, eine der besten Leistungen einer deutschen Fünfzehn seit vielen Jahrzehnten. In ihrem „Wohnzimmer“ zeigten die Schützlinge von Nationaltrainer Mark Kuhlmann (Heilbronn) eine fantastische Defensive, und sie spielten auch stark im angeordneten Gedränge und an den Gassen gegen die deutlich höher gewachsenen und schwereren Rumänen, die dann brandgefährlich waren, wenn sie mit dem massiven Sturm ins Rollen kamen. Mark Kuhlmann sagte: „Ich bin zwar nie zufrieden, aber heute bin ich glücklich!“

In der ersten Halbzeit glückten nur zwei Straftritte von Linksfuß Leo Wolf zum 3:0 (16.) und 6:7 (31.), während die rumänischen Eichen zwei Versuche durch ihr Paket (20.) und den für Aurillac in der französischen Pro D2 spielenden Außen Toni Maftei erzielten, die Alin Conache zum 6:14-Pausenstand erhöhte.

Dann aber befolgten die deutschen Spieler den Rat ihres Sturmtrainers Michael Poppmeier (Frankfurt) und nahmen ihre Herzen in beide Hände. Das Ergebnis: Viele selbstbewusste, ja freche Angriffe und vier Versuche durch Gedrängehalb Oliver Paine (50.), Linksaußen Felix Lammers (54.), Rechtsaußen Daniel Hamilton-Strong (70.) und Leo Wolf (75.), der auch drei Erhöhungen ins Goal trat. Dem hatten die zunehmend entnervten Rumänen nur noch einen Versuch von Gheorghe Gajion (73.), eine Erhöhung und einen Straftritt von Conache entgegen zu setzen.

Am Samstag spielt Deutschland um 13 Uhr in Dessau gegen Portugal. Es geht wieder mit 0:0 los, und Pro7Maxx überträgt live.

Titelverteidiger Frankreich, Italien und England heißen die Sieger am ersten Spieltag des Sechs-Nationen-Turniers. Die Franzosen zeigten vor 81000 Zuschauern im Stade de France eine zauberhafte Leistung und besiegten Irland, den Gesamtsieger von 2024, mit 38:14 (22:0). Die Fünfzehn von Trainer Fabien Galthié erzielte fünf Versuche durch Außensprinter Louis Bielle-Biarrey (2), Verbinder Matthieu Jalibert, Zweite-Reihe-Stürmer Charles Ollivon und Rechtaußen Théo Attissogbe, denen Thomas Ramos vier Erhöhungen und einen Straftritt hinzufügte.

Italien kämpfte Schottland im strömenden Regen von Rom nieder und gewann aufgrund einer fantastischen Verteidigungsleistung verdient. Louis Lynagh und Tommaso Menoncello legten zwei Versuche vor, Paolo Garbisi traf mit einer Erhöhung und zwei Straftritten. Die Schotten scorten durch Jack Dempsey und George Horne. Finn Russell traf mit einer Erhöhung und einem Straftritt. Mitfavorit England hatte beim 48:7 in Twickenham gegen das schwache Wales keine Probleme, um einen Hattrick von Henry Arundell und drei weitere Versuche durch Ben Earl, Tom Roebuck und Tommy Freeman zu erzielen.

Deutschland: Hennig – Hamilton-Strong, Plümpe (71. Wakefield), Dawe, Lammers (71. Dixon) – L. Wolf, Paine (64. M. McDonald) – Ingle, Stein, Renc (Kapitän) – McTaggart (41. Rayan), Ball – Shekete (41. Howells), Reitges (56. Ferrar), Mizera (63. D. Wolf)..


Für die Tabellenseite

Rugby

Sechs-Nationen-Turnier

Frankreich (TV) – Irland 36:14

Italien – Schottland 18:15

England – Wales 48:7

Europameisterschaft, Division 1

Gruppe A

Schweiz – Georgien (TV) 3:54

Niederlande – Spanien 33:51

Gruppe B

Deutschland – Rumänien 30:24

Belgien – Portugal 17:47

Samstag, 13 Uhr: Deutschland – Portugal in Dessau.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Gegen Rumänien auch Versuche legen

Auftaktspiel der Rugby-EM am Sonntag um 16 Uhr in Heidelberg – Stadion in Kassel wurde gesperrt

„Was wir wissen können“ heißt der neue großartige Roman von Ian McEwan. Was wir hätten wissen können, muss man sich bei Rugby Europe und Rugby Deutschland eingestehen, nachdem das Winterwetter die beiden Verbände gezwungen hat, das Auftaktspiel der Rugby-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Rumänien, das im Aue-Stadion von Hessen Kassel hätte stattfinden sollen, abzusagen. Das Länderspiel des Außenseiters Deutschland und des hohen Favoriten Rumänien findet nun am Sonntag um 16 Uhr im Fritz-Grunebaum-Sportpark der Stadt Heidelberg am Kirchheimer Harbigweg statt und wird von der Rudergesellschaft Heidelberg organisatorisch begleitet. Direkt daneben im ausverkauften SNP Dome spielen die MLP Academics um 18 Uhr Basketball gegen Bayern München – ein Verkehrschaos ist vorprogrammiert, aber das interessiert bei Rugby Europe oder Rugby Deutschland niemanden.

Rugby-Nationaltrainer Mark Kuhlmann (Heilbronn) reagiert professionell auf die neue Situation, obwohl er bis gestern Mittag noch nicht wusste, wo seine 23 Spieler ihre Beine zur Nachtruhe ausstrecken dürfen und wo es etwas Nahrhaftes zu essen gibt. Das Hin und Her ist einer seriösen EM-Spielvorbereitung nicht förderlich. Immerhin steht fest: Die Delegation trifft sich am heutigen Donnerstagabend und wird am Freitag und Samstag, jeweils um 10 Uhr und um 14.30 Uhr im Landesleistungszentrum beim Heidelberger Ruderklub, vier gemeinsame Trainings absolvieren.

„Gegen die Rumänen, die normalerweise besser sind und ihre Mannschaft bereits auf die Weltmeisterschaft 2027 in Australien vorbereiten, wollen wir gut spielen, Versuche legen, hart verteidigen und ein gutes Ergebnis erzielen“, sagt Mark Kuhlmann. Der 56-jährige Mitarbeiter der MLP AG in Wiesloch hat mit seinen Kollegen Michael Poppmeier und Samy Füchsel (beide Frankfurt) 26 Spieler nominiert, von denen nach den Trainings drei auf der Tribüne Platz nehmen müssen.

Deutschland: Luis Ball (Watsonians Edinburgh), Tobias Bauer (Hannover 78), John Dawe (Guernsey RFC), Aiden Dixon (SC Frankfurt 1880), Darren Ferrar (Bohemians RFC), Jaden Gliatis (Heidelberger RK), Daniel Hamilton-Strong (Loughborough University), Christopher Hennig (FC Grenoble), Christopher Howells (Frankfurt), Shawn Ingle (Maidenhead RFC), Felix Lammers (SC Neuenheim), Michael McDonald (Caldy RFC), Ewan McTaggart (Sutton & Epsom RFC), Dustin Mizera (Hannover 78), Oliver Paine (Frankfurt), Jan Piosik (Hannover 78), Robin Plümpe (RG Heidelberg), Hassan Rayan (Frankfurt), Iestyn Rees (Nottingham RFC), Andrew Reintges (HRK), Justin Renc (Kapitän/TSV Handschuhsheim), Edward Shekete (Rossendale RUFC), Oliver Stein (Frankfurt), Luke Wakefield (SCN), Daniel und Leo Wolf (Frankfurt).

Dienstag, 3. Februar 2026

Den Knüller gleich am Anfang

Im Sechs-Nationen-Turnier startet Frankreich gegen Irland

Am Donnerstag um 21.10 Uhr beginnt im Stade de France in St. Denis mit dem Knüller der beiden Vorjahressieger Frankreich (2025) und Irland (2024) das 27. Sechs-Nationen-Turnier der führenden europäischen Rugby-Nationalmannschaften. Aufgrund der Tatsache, dass sie in dieser Saison von ihren fünf Spielen bis zum 14. März drei in französischen Stadien austragen darf, ist die Equipe Tricolore – allerdings nur leicht - favorisiert.

Denn zum einen treten auch die Iren gegen Italien, Wales und Schottland und die Waliser gegen Frankreich, Schottland und Italien dreimal zu Hause an, zum anderen hat Frankreichs Trainer Fabien Galthié seine Mannschaft aufgrund zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle neu formieren müssen. So fallen in der Dreiviertelreihe so starke Spieler wie Verbindungshalb Romain N’Tamack, Gael Fickou, Damien Penaud und Léo Barré aus – einige sind wegen Formschwäche auch nicht nominiert worden.

Immerhin kehrt mit Gedrängehalb und Olympiasieger Antione Dupont der beste Rugbyspieler der Welt in die Startformation der Franzosen zurück. Der 29-jährige Dynamiker aus Toulouse bildet das Scharnier des Teams nun gemeinsam mit Verbindungshalb Matthieu Jalibert aus Bordeaux, der mit Nicolas Depoortère, Yoram Moefana und Louis Bielle-Biarrey drei Vereinskameraden neben sich hat.

Irland mit Trainer Andy Farrell und Captain Caelan Doris tritt mit einer sehr erfahrenen, spiel- und kampfstarken Fünfzehn an und hat Chancen auf einen Erfolg im mit 81336 Besuchern ausverkauften Stade de France und den Turniersieg.

Am Samstag um 15.10 Uhr stehen sich Italien mit dem argentinischen Trainer Gonzalo Quesada und Schottland mit dem in Neuseeland aufgewachsenen Gregor Townsend im Olympiastadion von Rom in einem völlig offenen Match gegenüber. Dagegen ist England am Samstag um 17.40 Uhr im heimischen Twickenham gegen die 2025 sieglosen Waliser hoch favorisiert. England wird nach wie vor von Steve Borthwick betreut, während Wales mit Steve Tandy einen neuen Coach verpflichtet hat.

Sechs-Nationen-Turnier, 1. Spieltag, Donnerstag, 21.10 Uhr: Frankreich – Irland; Samstag, 15.10 Uhr: Italien – Schottland; 17.40 Uhr: England – Wales.