Der Nordbadische Volleyball-Verband verabschiedete seinen Geschäftsführer Holger Schell
„Eigentlich habe ich nur meine Arbeit gemacht“, sagte Holger Schell am Sonntag, als er nach 36-jährigem Wirken als Geschäftsführer des Nordbadischen Volleyball-Verbandes (NVV) verabschiedet wurde. Rund 40 Weggefährtinnen und Mitstreiter waren der Einladung in das schicke Berghof-Restaurant auf dem Königstuhl gefolgt, um den 66-Jährigen zu ehren, der am 30. September in den Ruhestand gehen wird.
Aus Schells Worten spricht die Bescheidenheit, die den passionierten Volleyballer der TSG Rohrbach kennzeichnet, der eigentlich keine Abschiedsfeier gewünscht hatte. NVV-Präsident Dr. Daniel Kraft ließ wissen, „dass Holger nie im Mittelpunkt stehen will.“ Vielmehr habe er sich in all den Jahren „nie in den Vordergrund gedrängt“ und den Verband dennoch „mitgestaltet und zu dem gemacht, was er heute ist. Deine Handschrift ist deutlich erkennbar.“ Der 1963 in Weinheim gegründete NVV hat gegenwärtig 16.657 Mitglieder in 221 Vereinen und Volleyball-Abteilungen. Der seit 1990 als Geschäftsführer und zeitweise „als Männchen für alles“ tätige Holger Schell hatte nur zwei Präsidenten: Harald Schoch (1990 – 2022) und Daniel Kraft (seither), die beide Heidelberger sind und ein ausgesprochen harmonisches Miteinander mit ihrem Geschäftsstellen-Leiter pflegten.
Holger Schell, der im Deutschen Volleyball-Verband (DVV) Sprecher der Geschäftsführer der Landesverbände und von 2021 bis 2023 Vizepräsident mit gemischten Erinnerungen war, musste während seiner dreieinhalb Jahrzehnte im NVV nur eine kritische Phase überstehen: „Das war um das Jahr 2000, als wir im Präsidium viele Vakanzen hatten und ich zeitweise vier fehlende Vizepräsidenten mit ganz unterschiedlichen Aufgabengebieten ersetzen musste. Da wusste ich manchmal nicht, wo mir der Kopf steht.“
Heute steht der NVV gut da, weil – so Daniel Kraft – der Geschäftsführer „für die Anliegen der Vereine stets ein offenes Ohr hatte und auftretende Probleme mit Erfahrung und Pragmatismus lösen konnte.“ Die Zusammenarbeit mit dem Präsidium habe Holger Schell, dem auch eine gute Zusammenarbeit mit den Volleyballern in Südbaden und Württemberg am Herzen lag, als Ideenwettstreit begriffen, und er sei „aufgrund seiner Verlässlichkeit“ sehr wertvoll.
Der A-Lizenztrainer Holger Schell hat Mannschaften 25 Jahre lang bis zur Regionalliga betreut und war als Schiedsrichter mit B-Lizenz tätig. Er war Team-Manager und Co-Trainer der deutschen Juniorinnen-Nationalmannschaft, die von 2005 bis 2007 als VC Olympia Heidelberg in der Bundesliga mitgewirkt hatte. Als Organisator großer Veranstaltungen hat er sich bewährt: Die Männer-EM 1991 und 2003, die Weltligaspiele bis 1994, die Länderspiele in Karlsruhe, die Volleyball- und Beachvolleyball-Turniere beim Landesturnfest 2006 in Heidelberg und beim Internationalen Deutschen Turnfest 2013 hat Holger Schell als Chef fleißiger Mitstreiter ebenso zu Erfolgen gemacht wie die zahlreichen Beachvolleyball-Turniere auf den Heidelberger Neckarwiese.
Seine Nachfolger kommen aus Karlsruhe. Sabine Rayling wurde zwei Jahre lang eingelernt, Vincent Dres ein Jahr lang auf seine Aufgabe vorbereitet. Holger Schell wird weiterhin seinem Hobby Bogenschießen frönen. Dass er seine Lebensgefährtin Ulrike Schütz einst beim Bogenschießen getroffen hat, ist eine schöne Geschichte, die nur das Leben schreiben kann.
