Donnerstag, 16. August 2018

zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2013 in Moskau


Whistleblower im Lushniki-Park

Bei der Leichtathletik-WM spielten sich im Wettkampf zwischen der ARDund Eurosport dramatische Szenen ab. Als die ersten Marathon-Läuferinnenin den Lushniki-Park fußelten, behaupteten die beiden Reporter des„Ersten“, dass das Rennen noch ganz spannend werden würde, weil die führendeEdna Kiplagat „höchstens zehnMeter“ vor Valeria Straneo liege. Mein Papagei und ich warenzwarnichtvor Ort, konnten aber– am frühen Nachmittag! – schon mitbloßem Auge erkennen, dass der Vorsprung der Keniatin einen Kilometer vor dem Ziel gut 50 Meter betrug, was– zapp, zapp – die Experten von Eurosport sofort bestätigten.

Beim Einbiegen ins Stadion, wo die knapp 5000 Marathon-Fans unter den85 000 Sitzen frei wählen durften (unddas in Russland!), war das Rennen laut ARD immer noch spannend. 300 Meterspäter hatte Kiplagat trotz zweimaliger Babypause in jüngerer Vergangenheit mit 14 Sekunden oder 80Metern Vorsprung gewonnen. Spannend war auch, wie die Japanerin Fukushieine knappe Minute später als Dritte und deren LandsfrauKizaki weitere 45Sekunden später als Vierteins Ziel liefen. Spannende Stundenverbrachten wir beim Warten auf die beste Deutsche. „Ja, wo läuft sie denn?“, fragte mein Papagei. Wir warten noch immer, denn es war keine gestartet.


Dass Eurosport die präziseren Abstände kannte, mag daran liegen, dass der paneuropäische Sender besser mit den russischen Sicherheitskräften vernetztist. Während im Lushniki-Park

nur wenige Lauffans die Frauen anfeuerten, stand unter jedem Baum einPolizist mit auffällig großer Mütze aufkleinem Kopf. Wie aus gewöhnlich gutunterrichteten Kreisen verlautete, soll Wladimir Putins neuer Sicherheitsberater Edward Snowden die Bewachung der Bäume angeordnet haben, schließlichkönne unter den Spechten dort ein Whistleblower sein. Russlands Reporterrieten den ARD-Kollegen übrigens,ihre tägliche Ration Wodka erst nach Dienstschluss zu trinken.
Die deutschen Zehnkämpfer hattenbeim Hochsprung, der vierten Disziplin,mit enormen Problemen zukämpfen. Pascal Behrenbruch zähmtevergeblich seine vom SeitenwindverwehteFrisur, Rico Freimuth hadertemitseinemStab. BeijedemAnlauffuhrsich der Hallenser erst mit der linken,dann mit der rechten Hand über dieenge Hose, um Ordnung zu schaffen.„Hoffentlich hat er keine Läuse“,sorgte sich mein Papagei, der ein aufmerksamer Leichtathletik-Fan ist. Mitaufgeräumter Hose sprang Freimuthpersönliche Bestleistung. Mein Papageiund ich waren zunächst beruhigt.Als die Kamera aber zu den 400-m-Vorläufen der Frauen schwenkte,schrie mein Pagagei auf: „Hast Du dasgesehen?“ Eine Viertelmeilerin aus denUSA hatte sich wie Freimuth mit flinkenHandbewegungen auf ihren Startvorbereitet. Hoffentlich sind Sextestsim Pflichtprogramm dieser WM.
 
(Ferngesehen am 12. August 2013)

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