Mittwoch, 28. Januar 2026

Eine Niederlage, die Mut macht

2. Gewichtheber-Bundesliga: Maksym Kara bester Akteur gegen Gräfenroda

Bernd Börgerding war zufrieden. Der Vorsitzende des AC Germania St. Ilgen hatte bei der 583,2:600-Niederlage seiner Staffel gegen den Tabellendritten SV Gräfenroda sogar „Spaß empfunden“. St. Ilgen, ohne die operierten Lina Gossmann (Fuß) und Lilli Svatek (Handgelenk) sowie ohne die verletzten Alisa Arda (Rücken) und Mandy Treutlein (Schulter), hatte mit einer Niederlage gegen die Thüringer rechnen müssen, doch waren die Leistungen durchaus ansprechend. Das beidarmige Stoßen gewann Gräfenroda mit 369:368,9 Kilopunkten – um 100 Gramm also, was vor allem daran lag, dass die Gäste in dieser Teildisziplin keinen einzigen Fehlversuch hatten.

Bester Heber vor 80 Zuschauern in der Aegidiushalle war Maksym Kara mit 127 kg im Reißen und 155 kg im Stoßen, was 131 Kilopunkte ergab. Der 19-jährige deutsche Meister der Junioren und Männer wog am Samstag 76,5 kg, wurde auch von seinem Vater beglückwünscht und fühlt sich seit dem 12. Dezember 2025 jeder Aufgabe gewachsen. Der aus dem ukrainischen Odessa stammende Maksym Kara spricht hervorragend Deutsch, macht eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei Pfitzenmeier und gehört neuerdings dem Nachwuchskader des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber an. „Es läuft!“, findet Maksym Kara.

Rückblende: Zwei Wochen vor Weihnachten fuhr Kara als Titelverteidiger im Mittelgewicht (bis 79 kg) zu den deutschen Meisterschaften nach Böbingen, wo er den Titel mit 130 kg im Reißen und 156 kg im Stoßen, mithin 286 im Zweikampf, souverän gewann, denn Vizemeister Lukas Walker vom TSV Röthenbach hatte nur 267 kg und der drittplatzierte Isaac Molina Becker vom TuS Raubling 250 kg zu Buche stehen. Maksym Kara orientierte sich daher an dem gleichaltrigen Robert Moritz Hennig vom ASK Frankfurt/Oder, der allerdings in der Gewichtsklasse bis 88 kg antrat. „Als Robert im Reißen nur neun Kilo mehr hob als ich, hat es ,klick‘ gemacht. Da wusste ich, dass ich Meister werden kann. Da war ich wie ein Tiger auf der Jagd“, erinnert sich der St. Ilgener Spitzenheber.

Sehr respektable Leistungen zeigten der kurzfristig eingesprungene Trainer Robby Behm, der im zarten Alter von 39 Jahren seine Saison-Bestleistung um neun auf glatte 100 Kilopunkte steigerte, während Mehmet Milli, der 28-jährige Pädagogik-Student der Uni Frankfurt/Main, mit 119 kg im Reißen und 92 Kilopunkten zwei neue Bestleistungen aufstellte. Lauter gültige Versuche hatten der aus Rostock an die Heidelberger Willy-Hellpach-Schule gewechselte Fiete Glücklich mit 99 kg im Reißen und das 16-jährige Eigengewächs Justus Ruffert mit 120 kg im Stoßen. „In der letzten Woche habe ich meine Atemtechnik vor dem Ausstoßen verbessert“, ließ Ruffert wissen und freut sich bereits auf den nächsten Einsatz in der ersten Mannschaft der „Germanen“. Vielleicht schon am 7. Februar im Bundesleistungszentrum in Leimen gegen den AC Weinheim. „Vielleicht bringen unsere Heber ja mal all ihre Freunde mit, dann hätten wir ein volles Haus“, hofft Sportwart Ringo Gossmann auf mehr Unterstützung für seine junge Staffel.

AC St. Ilgen – SV Gräfenroda 583,2:600, St. Ilgen: Maksym Kara (76,5 kg Körpergewicht) 127 kg in Reißen + 155 kg im Stoßen = 282 kg in Zweikampf/131 Kilopunkte; Sophie Meike Eichkorn (59,8) 66 + 86 = 152/102; Robby Behm (99,6) 131 + 164 = 295/100; Justus Moritz (80,6) 117 + 140 = 257/95,8; Mehmet Milli (83,5) 119 + 140 = 259/92; Fiete Glücklich (82,6) 99 im Reißen/16,4; Justus Ruffert (75,5) 120 im Stoßen/46.

Gräfenroda: Marc Pfeiffer (75,5) 116 + 148 = 264/116; Simona Jerabkova (72,9) 80 + 108 = 188/110; Jakub Bartecek (97,5) 130 + 170 = 300/107; Franziska Erbert (62,9) 69 + 85 = 154/97; Lotta Frank (52,5) 60 + 68 = 128/93; Carina Gerlach (56,2) 53 + 67 = 120/77.

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