Deutscher Rugby-Tag in Heidelberg stellt die Weichen in bessere Zukunft
Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft hat – ungeachtet vager Erfolge der Siebenerrugby-Männer in der Qualifikation zur Weltserie – mit fünf Niederlagen in der Europameisterschaft 2025 die Talsohle erreicht. Nie stand Rugby Deutschland, wie der vor 125 Jahren gegründete Deutsche Rugby-Verband nach einer ebenso überflüssigen wie kostspieligen Umbenennung neuerdings heißt, in der Rangliste des Weltverbandes so schlecht wie seit dem 24. März – Rang 35 ist das Allzeittief, sechs Plätze hinter der Schweiz, acht Plätze hinter den Niederlanden und sogar 13 Plätze hinter Belgien.
Der im November 2024 vom damaligen RD-Präsidenten Michael Schnellbach (Edingen-Neckarhausen) abgesagte Deutsche Rugby-Tag wurde auf Einladung des neuen Präsidenten Michael Seidler (Solingen) am vergangenen Samstag im Heidelberger Haus des Stadtjugendrings nachgeholt, dauerte siebeneinhalb Stunden und brachte sachlich-nützliche Diskussionen und Entscheidungen, die – so die Hoffnung der Delegierten – mittelfristig zu einer Leistungssteigerung der Auswahlen und einer Befriedung im Verhältnis zwischen der RD-Führung auf der einen sowie den Vereinen und Landesverbänden auf der anderen Seite führen soll.
Nach einem Gedenken an die verstorbenen Verbandsfunktionäre Herbert Lütge (Bad Sooden-Allendorf), Peter Schatz (Heidelberg) und Jürgen Zeiger (Heusenstamm) sowie die Nationalspieler Hans-Dieter Arnold (Heidelberg), Hubert Jordan (Heidelberg) und Andreas Gleitze (Berlin) wurde Sophia Hacker (HRK) als Athletensprecherin und Nachfolgerin von Anton Gleitze (Berliner RC) bestätigt. Danach bestätigten die Delegierten die in den Ausschüssen gewählten Vorsitzenden, die dem RD-Präsidium angehören: Nico Colic (Leipzig) für die Bundesligen, Dirk Frase (Köln) für die Frauen, Denis McGee (Berlin) für die Landesverbände und Paul Warman (Hamburg) für die Schiedsrichter. Warman erhielt 99,9 Prozent der abgegebenen Stimmen – wohl auch, weil es im Rugby üblich ist, Schiedsrichtern größten Respekt zu erweisen. Michael Seidler verfügt nun also über ein komplett besetztes Präsidium. Da der Jahresabschluss 2023 unbeantwortete Fragen aufwarf, wurden das Harald-Hees-Präsidium, das bis März 2024 im Amt war, und der Vorstand komplett nicht entlastet; man hält sich Regressforderungen an einzelne Funktionäre offen.
Die Delegierten hatten über Anträge zu entscheiden, die in der Tischvorlage 177 Seiten einnahmen und weniger die Satzung als viele Ordnungen betrafen, mit denen der Sportbetrieb im Inland geregelt wird. Mit überwältigender Mehrheit stimmte der Deutsche Rugby-Tag für die Rückkehr zur eingleisigen Männer-Bundesliga mit zehn Vereinen, die schon in der Saison 2025/26 starten soll. Darunter wird es eine 2. Bundesliga mit Achter-Staffeln im Nord-Osten und Süd-Westen gehen. Das Endspiel der deutschen Meisterschaft werden der Erste und Zweite der Bundesliga bestreiten, der Zehnte wird direkt absteigen, der Neunte ein Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Vizemeister austragen. Die Abschaffung der Besucher-trächtigen Halbfinals ist allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss, aber künftige Deutsche Rugby-Tage wollen ja auch noch Verbesserungen beschließen. Der Unsinn der 2013 eingeführten Bundesligen mit 48 Mannschaften ist jedenfalls vom Tisch.