Sonntag, 4. Januar 2026

Nazar Chepurnyi hat es in Heidelberg gefallen

Der Spitzenturner der Ukraine war bei Klaus Kreutz zu Gast und trainierte im Turnzentrum

Auch über ein Jahr nach dem Rückzug der KTG Heidelberg aus der 2. Kunstturn-Bundesliga der Männer lässt das Spitzenturnen Klaus Kreutz nicht los. Der 65-jährige Heidelberger, der mit seiner Ehefrau in der Höhe über Ziegelhausen lebt, wird den ukrainischen Athleten Nazar Chepurnyi bei den beiden Weltcups vom 19. bis zum 22. Februar in Cottbus und vom 5. bis zum 8. März in Baku betreuen.

„Ich möchte diese Gelegenheiten auch dazu nutzen, meine vielfältigen Kontakte zu den Nationalteams mehrerer Länder auszubauen und Spitzenturnern zu helfen, in den deutschen Bundesligen Fuß zu fassen“, sagt Klaus Kreutz, der bis 2004 Lehrer an einem privaten Gymnasium in Mannheim war und seither für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) viele Länder bereist hat, in denen das Kunstturnen einen höheren Bekanntheitsgrad und Stellenwert hat als in Deutschland. Trotz der großartigen Erfolge von Elisabeth Seitz, Kim Bui, Eberhard Gienger, Fabian Hambüchen oder Lukas Dauser und trotz einer sehr komfortablen Leistungssport-Förderung lockt das Kunstturnen hierzulande nur bei internationalen Meisterschaften ein größeres Publikum an. Wettkämpfe der Bundesliga erreichen selten vierstellige Zuschauerzahlen, die Zweitliga-Wettkämpfe der KTG Heidelberg besuchten kaum 300 Turnturn-Enthusiasten.

In den letzten Jahren hat Klaus Kreutz immer wieder Spitzenturner nach Deutschland gelockt. Tomoya Kashiwagi aus Japan begeisterte die Heidelberger nicht nur als Sechskämpfer und Topscorer, sondern auch als Kindertrainer, bevor er mit der KTV Straubenhardt deutscher Mannschaftsmeister wurde. Der japanische Jugend-Olympiasieger Kenya Yuasa wohnte ein paar Wochen bei Klaus Kreutz in Ziegelhausen und turnt seit 2023 bei der TG Saar. Der nette Lette Richard Plate kam durch Kreutz zur KTG Heidelberg und stabilisierte die Riege trotz einer langwierigen und schmerzhaften Schulterverletzung, ehe er vom Gym Team Essen dankbar aufgenommen wurde. Und der Israeli Ilia Liubimov wurde von Kreuz an den Erstligisten TG Saar vermittelt, wo er am Seitpferd, Barren und Reck hervorragende Leistungen für den Tabellendritten der Saison 2025 erbringt. In der nächsten Saison könnten weitere Spitzenturner aus dem Ausland in deutschen Vereinen tätig werden, denn eine Bundesliga-Riege darf dann bis zu fünf Gastturner aufnehmen.

In der abgelaufenen Saison hat Nazar Chepurnyi mit dem MTV Ludwigsburg, dem Verein des jungen deutschen Topturners Timo Eder, in der Bundesliga den achten Platz belegt und zählte am Boden, Pauschenpferd und an seinem Spezialgerät Sprung stets zu den Besten. Der am 3. September 2002 in Cherkasy rund 250 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew geborene Chepurnyi bewohnte ein Gästezimmer in Ziegelhausen, liebte den selbst gebackenen Marmorkuchen von Frau Kreutz und konnte sich beim Training im Heidelberger Turnzentrum und bei den Wettkämpfen für Ludwigsburg ganz auf seinen Sport konzentrieren. „Ich fühle mich hier sehr wohl und bin glücklich“, sagt Nazar Chepurnyi in einwandfreiem Englisch und hat in seiner Freizeit begonnen, die deutsche Sprache zu erlernen.

Der 23-jährige Sohn eines 55-jährigen Fliesenlegers und passionierten Ruderers und einer Friseurin begann im Alter von vier Jahren mit dem Turnen und hatte mit 14 den ersten Einsatz in einer Nationalmannschaft der Ukraine, deren Verteidigungsministerium ihn vom Kriegsdienst freigestellt hat. „Das gilt momentan“, sagt Nazar Chepurnyi, der nicht ausschließen kann, eines Tages doch eingezogen zu werden, falls sich die momentan schon schwierige militärische Lage nach dem grausamen Überfall der Russen vor vier Jahren weiter verschlechtern sollte. Seine persönlichen politischen Einschätzungen möchte er nicht preisgeben, um seinen privilegierten Status als Spitzensportler nicht zu gefährden.

Denn Nazar Chepurnyi, der in der Heimat von Gennady Sartynskyi trainiert wird, ist im Kunsturnen kein Namenloser. Der Junioren-Weltmeister am Barren von 2019 in Györ und Studenten-Weltmeister im Sprung von 2021 in Chengdu hat bei den Weltmeisterschaften 2023 in Antwerpen und 2025 in Jakarta die Bronzemedaillen am Sprung gewonnen und ist mit dem ukrainischen Team 2024 in Rimini Europameister geworden. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris wurde Nazar Chepurnyi Sechster am Sprung und Fünfter im Team-Mehrkampf. Hier gelang den auf Rang zwölf gestarteten Ukrainern eine Verbesserung um sagenhafte sieben Plätze.

Gegenwärtig bemüht sich Klaus Kreutz darum, nicht nur der Riege der Ukraine das der Stadt Heidelberg liebe und teure Turnzentrum als Vorbereitungsstätte vor internationalen Meisterschaften schmackhaft zu machen. Nach den Weltcups in Cottbus und Baku locken die Weltmeisterschaften im Oktober 2026 in Rotterdam. Erste Gespräche mit Sportamt und Sportkreis Heidelberg hat Klaus Kreutz geführt. Mal sehen, ob er seine Träume verwirklichen kann.


Donnerstag, 18. Dezember 2025

Gruppen der Rugby-WM ausgelost

World Rugby hat die sechs Vierer-Gruppen für die Vorrundenspiele der XIII. Rugby-Weltmeisterschaft ausgelost, die vom 1. Oktober bis zum 13. November 2027 in den australischen Städten Adelaide, Brisbane, Melbourne, Newcastle, Perth, Sydney und Townsville stattfinden wird. Die Auslosung wurde von WR-Präsident Brett Robinson, Neuseelands Doppelweltmeister Dan Carter, Australiens Rekord-Nationalspieler James Slipper und Australiens olympische Goldmedaillengewinnerin Alicia Lucas vorgenommen und brachte dieses Ergebnis:

Gruppe A: Neuseeland, Australien, Chile, Hongkong China.
Gruppe B: Südafrika (Titelverteidiger), Italien, Georgien, Rumänien.
Gruppe C: Argentinien, Spanien, Fidschi, Kanada.
Gruppe D: Irland, Schottland, Uruguay, Portugal.
Gruppe E: Frankreich, Japan, USA, Samoa.
Gruppe F: England, Wales, Tonga, Zimbabwe.
Die deutsche Nationalmannschaft hat, obwohl erstmals 24 Teams teilnehmen dürfen, die WM-Teilnahme erneut verfehlt. 

Sonntag, 14. Dezember 2025

Der erste Schritt zum Klassenverbleib

Rugby-Bundesliga: Heidelberger Ruderklub schlägt Berlin mit 22:18 Punkten

Der Heidelberger Ruderklub hat in der Rugby-Bundesliga das erste von drei Nachholspielen gegen den Berliner RC mit 22:18 (5:12) gewonnen, wofür es fünf Punkte gab. Denn die Heidelberger erspielten mit vier Versuchen den offensiven Bonuspunkt und erhöhten ihr Punktekonto auf 18 Zähler. „Damit haben wir elf Punkte Vorsprung vor den Berlinern“, stellte HRK-Spielertrainer fest, für den der Klassenverbleib allerdings noch nicht sicher ist: „Wir müssten beide Spiele gegen Luxemburg gewinnen und am besten auch den TSV Handschuhsheim im Nachholspiel schlagen“, sagte Liebig, der dem Tabellenletzten Berlin eine gute Rückrunde zutraut.

Am Samstag traten die beiden Teams bei trübem Wetter und vor 200 Zuschauern mit mehrfachem Ersatz an, was Steffen Liebig – einen der besten Siebenerrugby-Nationalspieler aller Zeiten in Deutschland – zu einer grundsätzlichen Bemerkung animierte: „Die enge Ansetzung der Bundesligaspiele ist für Vereine mit einigen Siebenerrugby-Nationalspielern zu schwierig. Es passieren zu viele Verletzungen. Warum spielen wir die Bundesliga nicht auch im Juni und Juli? Wir opfern gegenwärtig unser Rugby dem Siebenerrugby, das aber niemand spielen will. Unser Verband muss endlich an seine Vereine denken und vernünftiger planen.“ Mit dieser leisen Kritik drückte Liebig wohl die Haltung der meisten deutschen Rugbyklubs aus.

Nach einem Spiel, während dem Steffen Liebig „mindestens zehn Herzinfarkte erlitt“, hat der HRK sein Ziel erreicht: „Wir wollten fünf Punkte. Die haben wir.“ Allerdings spielte seine Mannschaft längst nicht so gut wie vor einer Woche beim SC Neuenheim. „Einige Spieler waren mit dem Kopf nicht da“, sagte Liebig, der sich „ungefähr zehn abgeblockte Kicks im Spiel“ und einige schwache Kicks zu den Goalstangen ebenso wenig erklären konnte wie das erst in der zweiten Halbzeit befriedigende Gassenspiel und die ungewohnt häufigen Vorwürfe des Balles.

Während der HRK die ersten 20 Minuten ergebnislos vor dem Berliner Malfeld verbrachte, legten die Hauptstädter mit ihrem ersten Eindringen in die Spielhälfte des HRK einen Versuch durch Quentin Hickstein, den Alvin Junior Olouch ebenso zu Punkten nutzte zwei Straftritte. Den zweiten Berliner Versuch legte Gabriel Hellstern unmittelbar vor der Pause.

Der HRK erzielte seine vier Versuche durch Zweite-Reihe-Stürmer Markus Bachofer (2), Schlusmann Jonas Malaizier und den schnellen Erste-Reihe-Pfeiler Jaden Gliatis. Til Zahner traf mit einer von vier Erhöhungen. Nun hat auch der HRK seine Winterpause, und die wegweisenden Nachholspiele sind schon am 28. Februar und 14. März.

HRK: J. Malaizier (69. S. Liebig) – Schmitt, Buchta, M. Liebig, Dietz – T. Zahner, Oeß – Knorr (18. – 21., 34. Jahn), Williams, Darren – Bachofer, Rodriguez - Gliatis, Hartmann (42. Armbruster), Schröder.

BRC: Van der Fits – Sidak, Becker, Hickstein (24. Hellstern), Oluoch – Steinau, Wintergrün (41. Berger) – Maaser, Lüders, F. Burisch – Plattard, Dold – C. A. Mannheim (49. Liza Vidaure), Walsh, C. H. Mannheim.

Schiedsrichter: Noster (Hannover); Zuschauer: 200: Punkte: 0:7 (23.) Versuch Hickstein + Erhöhung Olouch; 5:7 (20.) V Bachofer; 5:12 (39.) V Hellstern; 5:15 (49.) Straftritt Olouch; 10:15 (49.) V J. Malaizier; 10:18 (52.) S Olouch; 15:18 (53.) V Bachofer; 22:18 (65.) V Gliatis + E T. Zahner; Zeitstrafe: Darren.