Freitag, 28. März 2025

Rugby kehrt zu eingleisiger Bundesliga zurück

Deutscher Rugby-Tag in Heidelberg stellt die Weichen in bessere Zukunft

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft hat – ungeachtet vager Erfolge der Siebenerrugby-Männer in der Qualifikation zur Weltserie – mit fünf Niederlagen in der Europameisterschaft 2025 die Talsohle erreicht. Nie stand Rugby Deutschland, wie der vor 125 Jahren gegründete Deutsche Rugby-Verband nach einer ebenso überflüssigen wie kostspieligen Umbenennung neuerdings heißt, in der Rangliste des Weltverbandes so schlecht wie seit dem 24. März – Rang 35 ist das Allzeittief, sechs Plätze hinter der Schweiz, acht Plätze hinter den Niederlanden und sogar 13 Plätze hinter Belgien.

Der im November 2024 vom damaligen RD-Präsidenten Michael Schnellbach (Edingen-Neckarhausen) abgesagte Deutsche Rugby-Tag wurde auf Einladung des neuen Präsidenten Michael Seidler (Solingen) am vergangenen Samstag im Heidelberger Haus des Stadtjugendrings nachgeholt, dauerte siebeneinhalb Stunden und brachte sachlich-nützliche Diskussionen und Entscheidungen, die – so die Hoffnung der Delegierten – mittelfristig zu einer Leistungssteigerung der Auswahlen und einer Befriedung im Verhältnis zwischen der RD-Führung auf der einen sowie den Vereinen und Landesverbänden auf der anderen Seite führen soll.

Nach einem Gedenken an die verstorbenen Verbandsfunktionäre Herbert Lütge (Bad Sooden-Allendorf), Peter Schatz (Heidelberg) und Jürgen Zeiger (Heusenstamm) sowie die Nationalspieler Hans-Dieter Arnold (Heidelberg), Hubert Jordan (Heidelberg) und Andreas Gleitze (Berlin) wurde Sophia Hacker (HRK) als Athletensprecherin und Nachfolgerin von Anton Gleitze (Berliner RC) bestätigt. Danach bestätigten die Delegierten die in den Ausschüssen gewählten Vorsitzenden, die dem RD-Präsidium angehören: Nico Colic (Leipzig) für die Bundesligen, Dirk Frase (Köln) für die Frauen, Denis McGee (Berlin) für die Landesverbände und Paul Warman (Hamburg) für die Schiedsrichter. Warman erhielt 99,9 Prozent der abgegebenen Stimmen – wohl auch, weil es im Rugby üblich ist, Schiedsrichtern größten Respekt zu erweisen. Michael Seidler verfügt nun also über ein komplett besetztes Präsidium. Da der Jahresabschluss 2023 unbeantwortete Fragen aufwarf, wurden das Harald-Hees-Präsidium, das bis März 2024 im Amt war, und der Vorstand komplett nicht entlastet; man hält sich Regressforderungen an einzelne Funktionäre offen.

Die Delegierten hatten über Anträge zu entscheiden, die in der Tischvorlage 177 Seiten einnahmen und weniger die Satzung als viele Ordnungen betrafen, mit denen der Sportbetrieb im Inland geregelt wird. Mit überwältigender Mehrheit stimmte der Deutsche Rugby-Tag für die Rückkehr zur eingleisigen Männer-Bundesliga mit zehn Vereinen, die schon in der Saison 2025/26 starten soll. Darunter wird es eine 2. Bundesliga mit Achter-Staffeln im Nord-Osten und Süd-Westen gehen. Das Endspiel der deutschen Meisterschaft werden der Erste und Zweite der Bundesliga bestreiten, der Zehnte wird direkt absteigen, der Neunte ein Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Vizemeister austragen. Die Abschaffung der Besucher-trächtigen Halbfinals ist allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss, aber künftige Deutsche Rugby-Tage wollen ja auch noch Verbesserungen beschließen. Der Unsinn der 2013 eingeführten Bundesligen mit 48 Mannschaften ist jedenfalls vom Tisch.   

Montag, 17. März 2025

Nicht fit genug für ein Rugby-Match

Die Nationalmannschaft nach dem 17:20 gegen die Schweiz Achter in der EM – Kapitän Schröder geht von Bord – Frankreich triumphiert

Von Claus-Peter Bach

Heidelberg. Frankreich hat das 131. Sechs-Nationen-Turnier der führenden europäischen Rugby-Teams gewonnen, das bis 2000 mit fünf und zeitweise mit vier Nationalmannschaften ausgetragen wurde. Nachdem England am frühen Samstagabend mit 68:14 in Cardiff gegen Wales gewonnen und 20 Punkte im Gesamtklassement erobert hatte, war klar, dass die „XV de France“ am späten Abend im Stade de France gegen Schottland mit einem offensiven Bonuspunkt würde gewinnen müssen, um mit 21 Zählern alleiniger Turniersieger zu werden.

Also besiegte die Mannschaft von Manager Fabien Galthié, die ohne ihren Kapitän Antoine Dupont von Stade Toulousain auskommen musste, die stark spielenden Schotten mit 35:16 Punkten und legten dabei durch Innendreiviertel Yoram Moefana (17. und 61. Minute), Supersprinter Louis Bielle-Biarrey (42./beide Bordeaux-Bègles) und Schlussmann Thomas Ramos (56./Toulouse) die für einen Bonuspunkt notwendigen vier Versuche, mit denen sie die Franzosen unter den 81.338 Fans im Stadion verzückten. Olympiasieger Dupont, der als bester Rugbyspieler der Welt gilt, humpelte nach einem gegen den entthronten Titelverteidiger Irland erlittenen Kreuzbankriss auf Krücken ins Stadion, vergoss aber Freudentränen, als er die Six-Nations-Trophäe als Erster in den Nachthimmel von St. Denis recken durfte. Die Siegermannschaft weiß, was sie ihrem Kapitän verdankt.

Beim Sechs-Nationen-Turnier geht es um mehrere Pokale. Der Calcutta-Cup kehrte nach einem 16:15-Sieg über Schottland zu den Engländern zurück. Irland wurde nach Siegen über England (27:22), Schottland und Wales britischer Meister und Träger der Triple Crown, Frankreich eroberte durch ein 73:24 in Italien die Garibaldi-Trophäe, während sich das nun seit 14 Länderspielen sieglose Wales mit dem Holzlöffel abfinden muss. Mit diesem Küchenutensil nahmen Selbstmörder im Mittelalter das Gift ein, um ihrem Elend ein Ende zu setzen…

Einen Holzlöffel hätte auch die deutsche Nationalmannschaft verdient, die am Samstag in Heidelberg dem Aufsteiger Schweiz mit 17:20 unterlag und damit alle fünf Spiele in der Europameisterschaft 2025 verloren hat. Welch ein Glück, dass es 2026 eine Rückrunde gibt, um den drohenden Abstieg in die EM-Division 2 zu verhindern. Es winken Heimspiele gegen den Dritten Rumänien (21:7 gegen Portugal), gegen den Vierten Portugal und ein Auswärtsspiel beim Füften Belgien, das sich mit einem 31:10-Erfolg in den Niederlanden die Chance auf die erstmalige Qualifikation zur WM 2027 in Australien erhalten hat. Gegen die Belgier hat Deutschland in Kassel mit 19:39 verloren. Die künftigen Gegner kennt Nationaltrainer Mark Kuhlmann (Heilbronn) also. Er sagt: „Sie werden nicht schlechter werden.“

Das eklatante Scheitern der deutschen Mannschaft, die nicht zwei Spiele in Folge in gleicher Formation antreten konnte und aus einer zu langen Winterpause heraus kalt in die EM gestartet war, muss Konsequenzen haben. Kapitän Jörn Schröder (32) nach seinem 52. Länderspiel und Markus Bachofer (35, beide Heidelberger Ruderklub) haben am Samstag ihre internationale Laufbahn beendet. Ob die Trainer Mark Kuhlmann, Lars Eckert und Michael Poppmeier weiter die Verantwortung tragen möchten, wird davon abhängen, ob die neue Führung des Verbandes Rugby Deutschland bereit ist, mit ihnen zusammen ein Erfolgskonzept zu entwickeln. „Ich bin es gewohnt, Aufgaben zu vollenden“, sagt Cheftrainer Kuhlmann, aber eine aufwändigere Vorbereitung, mehr internationalen Wettbewerb, eine intensivere Schulung junger Spieler und eine effektive Hilfe bei der Organisation der Nationalmannschaft seien schon dringend nötig. „Ich bin Trainer und stehe wie meine Kollegen voll im Beruf. Es kann nicht sein, dass wir uns auch um die Reservierung von Jugendherbergsbetten und die Bestellung von Reisebussen kümmern müssen“, erwartet Kuhlmann mehr Unterstützung von den Funktionären.

Auch von den Spielern erhofft der Trainer bessere Leistungen, die durch Fleiß im konditionellen Bereich am ehesten zu erreichen sind. In dieser Saison war die Mannschaft als Gefüge nicht fit genug für 80 Minuten Rugby, zumal ein Spiel, wenn es dem Schiedsrichter gefällt und die Sonne scheint, auch mal 90 Minuten dauern kann. Auch das Druck-Aushalten im Gedränge und das Gerade-Einwerfen des Balles in die Gasse kann man üben. Und noch etwas hat Trainer und Publikum stark verärgert: Auch Hochbegabte müssen sich an taktische Anordnungen halten. Mit Straftritten vor des Gegners Goal muss man drei Punkte gewinnen und kann man Siege erringen. Das ist gar nicht so schwer.

Sonntag, 9. März 2025

Warum nicht gleich mit voller Kraft voraus?

Deutsche Rugby-Frauen unterlagen Belgien mit 19:23 nach 0:20-Rückstand

Von Claus-Peter Bach

Heidelberg. Die deutschen Rugby-Frauen haben die European Trophy, den Titelgewinn in der Division 2 der Europameisterschaft, aus der Hand gegeben. Nach der vermeidbaren 19:23 (7:20)-Niederlage gegen Belgien vor 876 Zuschauern in Heidelberg dürfen selbst größte Optimisten nicht damit rechnen, dass die kampfstarken Belgierinnen ihr Heimspiel am 5. April gegen Finnland verlieren werden. Die Deutschen werden Zweiter – und das ist leistungsgerecht und ebenso gerechtfertigt wie die knappe Niederlage vom Samstag, die den Schützlingen von Cheftrainer Curtis Bradford immerhin einen defensiven Bonuspunkt einbrachte.

Bei Curtis BraACdford mischten sich Enttäuschung und Zufriedenheit. Seine Fünfzehn, die die beiden letzten Spiele gegen Belgien gewonnen hatte, ist ihrer leichten Favoritenrolle nicht gerecht geworden: „Wir hätten dieses Spiel gerne gewonnen, haben aber in der ersten Halbzeit keine gute Leistung gezeigt“, kritisierte der 29-jährige Waliser. Das angeordnete Gedränge hielt dem belgischen Druck nicht stand, und an den Gassen eroberte Belgien die eigenen Einwürfe so sicher, dass daraus stets gefährliche und dynamische Angriffe entstehen konnten, gegen die die deutschen Verteidigerinnen zu Höchstleistungen gezwungen waren. In der 5. und 13. Minuten taten sich allerdings Lücken auf, die Spielmacherin Jeanne Marquegnies, eine Profispielerin aus Villeneuve-d’Asq im französischen Lille, zu zwei Versuchen nutzte. Ihre Vereinskameradin Lara Steurs, ein körperlich starker und wuchtiger Innendreiviertel, erhöhte sicher und ließ in der 32. und 36. Minute zwei Straftritte nach Bodenspiel und Abseits zum 0:20 folgen.


Kurz bevor die ausgezeichnete georgische Schiedsrichterin zur Pause pfiff, erhoben sich die deutsche „Phönixe“ aus ihrer Asche und verkürzten durch einen Versuch von Außendreiviertel Steffi Gruber und die Erhöhung von Verbindungshalb Charlotte Malaizier auf den Hoffnungen weckenden 7:20-Halbzeitstand. Das erweckte auch das Publikum, das im zweiten Spielabschnitt wie eine Frau hinter dem deutschen Team stand.

Mit Ausnahme der letzten zehn Minuten, in denen die Belgierinnen mit gefährlichen Kontern zeigten, dass sie noch da sind, beherrschte die deutsche Mannschaft Spiel und Gegnerinnen ganz eindeutig. „Wir haben viele sehr gute Momente gesehen, die gezeigt haben, wozu diese Mannschaft in der Lage ist. Mit diesen Spielerinnen werden wir weiterarbeiten, dieses Team werden wir entwickeln“, zog Bradford Motivation für die nächsten Aufgaben.

Mit zwei Versuchen in der 56. und 68. Minute ließ Innendreiviertel Johanna Hacker, nach feinem Zusammenspiel mit Mette Zimmat, den Fritz-Grunebaum-Sportpark erbeben, zumal Charlotte Malaizier mit einer Erhöhung auf 19:20 verkürzte. Dann aber passierten bei Erfolg versprechenden Attacken einige Leichtsinnsfehler, und die Uhr lief irgendwie immer schneller. In der Schlussminute stellte Lara Steurs per Straftritt von 19:23-Endstand her.

Im Sechs-Nationen-Turnier der Männer gelang Frankreich ein glanzvoller 42:27-Sieg bei Titelverteidiger Irland, während Schottland die sieglosen Waliser mit 35:29 bezwang. Die Franzosen legten fünf Versuche durch die beiden Außendreiviertel Louis Bielle-Biarrey (2) und Damian Penaud aus Bordeaux und die beiden Stürmer Pierre Bourdehent und Oscar Jégou aus La Rochelle. Schlussmann Thomas Ramos aus Toulouse besorgte mit vier Erhöhungen und drei Straftritten 17 Punkte.


Deutschland: S. Hacker (Heidelberger RK) – Korn (Germania List, 70. Bürger/HRK), J. Hacker (HRK), Zimmat (HRK), Gruber (SC Neuenheim) – Malaizier (HRK), Nowotny (TSV Handschuhsheim, 57. Vieth (HRK/RC Mainz) – Weigel (HRK), Hermlin-Leder (Berlin Irish RFC, 47. Stauch/HRK), Harris (SCN, 74. Hinterding/Handschuhsheim) – Seifert (HRK/Mainz, 61. Bechtel/US Bordeaux-Bègles), Lauter (RSV Köln) – Bier (SCN/Mainz, 70. Paul/Köln), Tilgner (HRK, 44. Dehnert/SCN), Schucker (HRK, 55. Erhart/SCN).