Montag, 10. August 2026

Sieberrugby-Junioren Vierter bei der EM

Juniorinnen belegten in Tschechien den sechsten Platz

Die beiden deutschen Nationalmannschaften haben bei der Siebenerrugby-Europameisterschaft der Altersklasse U18 gut abgeschnitten und ihre Ziele erreicht. Die Juniorinnen belegten nach zwei Siegen und drei Niederlagen unter acht Mannschaften den sechsten Rang und haben den Klassenverbleib in der Division 1 damit geschafft. Die Junioren erreichten bei zwei Niederlagen drei Siege und erreichten Platz vier unter zwölf Teams.

Mit dem Abschneiden der Junioren, bei denen vier Heidelberger Nachwuchsspieler die Stützen bildeten, waren die beiden Trainer Maximilian Pietrek vom Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar und Jan Ceselka vom Rugby-Verband Baden-Württemberg sehr zufrieden. „Die Lernkurve war steil, und die Jungs haben aus Fehlern super schnell gelernt. Das Beste ist: Wir hatten die jüngste Mannschaft am Start. Mehr als die Hälfte des Kaders gehört den Jahrgängen 2009 und 2010 an. Die dürfen nächstes oder sogar übernächstes Jahr nochmals für unsere U18 spielen. Das Potenzial ist riesig. Wir freuen uns auf alles, was kommt“, sagte Max Pietrek nach den fünf EM-Spielen in der tschechischen Rugby-Metropole Ricany.

Die deutsche Mannschaft marschierte ungeschlagen durch die Vorrundengruppe C. Auf ein 26:5 gegen Polen folgten ein 49:12 gegen Rumänien und ein 19:12 über Belgien, während sich in der Gruppe A Frankreich vor Portugal und in der Gruppe B Spanien vor Gastgeber Tschechien durchsetzte, der sich auch schon als viermaliger Gewinner der Heidelberg Sevens hervorgetan hatte.

Im Halbfinale mussten sich die deutschen Junioren den Spaniern, deren Männern in diesem Frühjahr die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft gewonnen haben, mit 7:19 geschlagen geben, ehe es im Spiel um Platz drei eine 5:26-Niederlage gegen Tschechien gab. „Natürlich sind wir über dieses Resultat im Moment enttäuscht, aber insgesamt sind wir mit dem Abschneiden sehr zufrieden“, sagte Max Pietrek. Europameister wurde Frankreich durch ein 21:12 gegen Spanien, Fünfter wurde Portugal (22:7 gegen Belgien), Siebter Rumänien (20:7 gegen die Schweiz), Neunter die Ukraine (17:14 gegen Litauen) und Elfter Polen (19:14 gegen die Türkei.

Die deutschen Juniorinnen unterlagen in der Vorrundengruppe A mit 12:19 gegen Belgien und mit 0:36 gegen den Gruppensieger Spanien und wurden nach einem 22:7-Sieg über Rumänien Gruppendritter. Im Halbfinale über die Plätze fünf bis acht glückte der Mannschaft von Trainer Andreas Hacker, dem Mädchentrainer des Rugby-Verbandes Baden-Württemberg, ein 19:5-Sieg über Polen, doch gab es im Spiel um Platz fünf eine unerwartete 0:19-Niederlage gegen die Türkei.

Das wurmte Andreas Hacker zunächst: „Direkt nach dem Abpfiff war die Enttäuschung natürlich riesig, weil wir unser Ziel knapp verpasst haben. Aber mit etwas Abstand sind wir einfach nur stolz auf Platz sechs und die Leistung der Mädels. Sie haben Deutschland mit unglaublich viel Leidenschaft und Teamgeist vertreten. Für viele war es die erste große internationale Erfahrung.“ Europameister wurde auch hier Frankreich durch ein 31:7 über Spanien, Dritter wurde Tschechien durch ein 38:7 über Belgien.

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Haben Heidelberg bei der U18-Europameisterschaft in Ricany gut vertreten, v.l.n.r.: Stefan Darimont (HRK), Andre Brauner (HRK), Lili Schüßler (HRK/RGH), Noemi Oertel (TSV Handschuhsheim), Felix May (TSV) und Lennard Grimm (HRK). Foto: privat

Montag, 3. August 2026

Sportvereine brauchen einen „Kümmerer“

Nachwuchsgewinnung für die Führungsebene ist ein existenzbedrohendes Problem

Seit 2005 arbeiten Wissenschaftler des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und aus vier Landessportbünden am Sportentwicklungsbericht für Deutschland, mit dem allen im organisierten Sport Engagierten Entwicklungen und Schlussfolgerungen aufgezeigt werden. Der Sportentwicklungsbericht wird in dreijährigem Rhythmus, sogenannten Wellen, fortgeschrieben, wobei insbesondere die Situation der Sportvereine analysiert wird. Die Erkenntnisse daraus können helfen, Vereine zeitgemäß zu leiten und Fehler bei der Erledigung von Führungsaufgaben zu vermeiden.

Dr. phil. Florian Dürr (51), stellvertretender Geschäftsführer des Badischen Sportbundes Nord und Absolvent des Bunsen-Gymnasiums in Heidelberg-Neuenheim, repräsentiert den Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) seit 15 Jahren im Projektbeirat und hat die neunte Welle des Sportentwicklungsberichts ausgewertet. Dabei hat Florian Dürr die aktuellen Defizite und Nöte der Vereine, aber auch deren Chancen aufgezeigt und die Unterschiede zwischen Vereinen aus Baden-Württemberg und dem übrigen Deutschland aufgezeigt. Die gute Nachricht: Den Vereinen im „Ländle“ geht es etwas besser als anderswo.

Unlängst vertrat eine oppositionelle Bundespolitikerin die Meinung, das Sporttreiben in Vereinen sei im Laufe der letzten Jahre so teuer geworden, dass es sich Normalverdiener kaum noch leisten könnten. Der jüngste Sportentwicklungsbericht kann als Faktencheck dienen und beweist das Gegenteil. Die Mitgliedsbeiträge sind nach wie vor erschwinglich. Kinder zahlen bundesweit 4 Euro, Jugendliche 5 Euro und Erwachsene 10 Euro – pro Monat wohlgemerkt, womit die Benutzung von beheizten Klubhäusern und warmen Duschen sowie deren regelmäßige mühevolle und kostenintensive Reinigung inbegriffen sind. Hier schneidet Baden-Württemberg mit Mitgliedsbeiträgen von 4,20 Euro, 5,40 Euro und 11,50 Euro geringfügig schlechter ab, was mit den höheren Einkommen von Berufstätigen im Südwesten zusammenhängen mag.

Interessant ist, wie Übungsleitende und Führungskräfte ihre Vereine einschätzen. 94 Prozent der Befragten stimmen der Aussage „unser Verein legt Wert auf Gemeinschaft“ zu, 72 Prozent unterstreichen die Behauptung „unser Verein engagiert sich im Kinder- und Jugendsport“. 84 Prozent sind der Auffassung, dass „sich unser Verein als Solidargemeinschaft versteht“, und 84 Prozent sind der Überzeugung, dass „unser Verein Wert auf demokratische Beteiligung im Verein legt“. 73 Prozent der Befragten sagt schließlich, dass „unser Verein Wert auf die Qualifizierung seiner Übungsleitenden, Trainerinnen und Trainer legt“. Baden-Württemberg darf sich darüber freuen, dass das Selbstverständnis in zwei Punkten besser ausfällt. Denn sogar 78 Prozent der Übungsleitenden und Führungskräfte meinen, dass sich „unser Verein im Kinder- und Jugendsport engagiert“, während 75 Prozent ihren „Verein in der Qualifizierung von Übungsleitenden, Trainerinnen und Trainern“ engagiert sehen. Die Rolle des Sportvereins als Schule der Demokratie wird niemand ernsthaft bezweifeln.

Seit 2015 ist das Bewusstsein in den Vereinen für die Themen Kinderschutz und Prävention sexualisierter Gewalt gestiegen. 2025 sagten 82 Prozent der Befragten, die Prävention sexualisierter Gewalt sei ein relevantes Thema für Sportvereine, 73 Prozent sind der Meinung, „unser Verein setzt sich aktiv gegen sexualisierte Gewalt ein“, 72 Prozent bezeugen, dass „in unserem Verein über sexualisierte Gewalt und präventive Maßnahmen offen gesprochen wird“, und 76 Prozent sagen aus, dass „unser Verein über fundierte Kenntnisse zur Vorbeugung von sexualisierter Gewalt verfügt“. Diese Zahlen weisen allerdings auf einen Nachholbedarf bei einem Teil der Vereine hin.

Die wichtigste personelle Ressource der Vereine sind die 1.969.600 Ehrenamtlichen in Deutschland. In Baden-Württemberg sind 287.000 Menschen ehrenamtlich in Sportvereinen tätig, und zwar 77.300 als Vorstandsmitglieder, 26.300 als Abteilungsvorstände, 22.700 als Kassenprüfende, 23.500 als Schieds- und Kampfrichtende, 121.900 als Übungsleitende, Trainerinnen und Trainer und 15.000 Menschen in sonstigen Positionen. Erfreulich ist, dass sich bundesweit weitere 22,7 Prozent der Mitglieder und in Baden-Württemberg sogar 23,9 Prozent freiwillig für sporadische Aufgaben in Vereinen engagieren. Von den 287.000 Ehrenamtlichen in baden-württembergischen Sportvereinen sind rund 102.000 weiblich, 184.000 männlich und 840 divers, wobei bei den männlichen Engagierten seit 2019 ein Rückgang von 7,6 Prozent Sorgen auslösen muss.

Größere Sorgen bereitet das Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Führungspositionen der Sportvereine, deren Anteil seit 2022 um rund 20 Prozent gesunken ist. Die Autoren des Sportentwicklungsberichts 2025 empfehlen deshalb dringend die Wahl eines Jugendvertreters im Vorstand, Stimmrecht der Jugendlichen in der Hauptversammlung, die Wahl einer Jugendvertretung durch die Jugendlichen und die Bildung eines Jugendausschusses. Außerdem wird empfohlen, in die Vorstände einen „Kümmerer“ aufzunehmen, der die einzige Aufgabe haben soll, junge Mitglieder anzusprechen und sie für die Übungsleiter- und Trainerausbildung oder eine Mitarbeit im Vereins- und Abteilungsvorstand zu gewinnen. Fehlender Nachwuchs auf Führungsebene bezeichnen 44 Prozent der Befragten als „existenzbedrohendes Problem“ ihres Vereins, 2009 waren das nur 31 Prozent.