Mittwoch, 22. Mai 2024

Alle Ämter kompetent besetzt

Mitgliederversammlung des RBW wählte Edeltraut Holek und Guntram Hacker zu Ehrenmitglidern

Der Rugby-Verband Baden-Württemberg, das sind 21 Vereine mit 3110 Mitgliedern, hat seine Ordentliche Mitgliederversammlung am 27. April 2024 im „Haus des badischen Sports“ in Karlsruhe durchgeführt. Nachdem der RBW-Vorsitzende Claus-Peter Bach die 33 Anwesenden, darunter die Ehrenmitglieder Heinz Reutlinger und Helmut Rohr, begrüßt hatte, hieß Geschäftsführer Michael Titze vom Badischen Sportbund Nord die Repräsentanten des baden-württembergischen Rugbysports herzlich willkommen und betonte die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen BSB und RBW. Matthias Bechtel, der neue Vorsitzende der Jugendorganisation von Rugby Deutschland, überbrachte die herzlichen Grüße des neuen RD-Präsidenten Michael Schnellbach, der in den 1980-er Jahren ein erfolgreicher RBW-Sportwart gewesen war und die Kooperation mit den Vereinen und Landesverbänden stärken möchte.

Die Mitgliederversammlung wählte Edeltraut Holek vom RC Konstanz (langjährige Managerin der Oldies-Auswahl) und Guntram Hacker (Mitbegründer der Rugby-Sparten der TSG Heilbronn und der Sport-Union Neckarsulm und Förderer des Mädchen- und Frauenrugbys) einstimmig zu Ehrenmitgliedern. Der RBW-Vorstand zeichnete Jan Ceselka, Uwe Günther, Andreas Hacker, Andreas Müller, Regina Schuster und Alexander Wiedemann mit der Verdienstnadel des RBW aus.

Der RBW, bei dem der Leistungssport eine tragende Rolle spielt und dessen Auswahlmannschaften bei den fünf deutschen Meisterschaften der Landesauswahlen 2023 vier erste und einen zweiten Platz belegt hatten, hat sich auch im internationalen Leistungsvergleich bewährt und bei Turnieren in Brüssel, Longwy, Metz und Prag sowie bei den Heidelberg Juniors & Girls Sevens Siege errungen und vordere Plätze belegt. Höhepunkte des Sportjahres waren auch der Besuch des Shelford RFC aus dem englischen Cambridge und das Sommercamp mit rund 80 jugendlichen Leistungssportlern und drei Nationaltrainern aus Wales.

Nach den Rechenschaftsberichten von elf Ressortleitern wussten die entscheidungsbefugten  Delegierten der Vereine, dass der RBW bei Einnahmen von 254.000 Euro und Ausgaben von 270.000 Euro ein wenig an den Reserven geknabbert hat, weil der Verband den Vereinen die Schiedsrichterspesen für die gesamte Spielzeit 2023/24 vorgestreckt hat, dass alle Konten im Plus sind, dass das Schiedsgericht keinen einzigen Streitfall zu entscheiden hatte und dass es in Baden-Württembergs Rugby keinen Dopingsünder und keinen Fall von sexualisierter Gewalt gegeben hat. Da die Kassenprüfer Wolfgang Mund und Harald Hößler den Schatzmeistern Wolfgang Seibert (Haupt- und Gehaltskonten), Jens-Peter Buchta (Jugendkasse) und Stephan Zimmermann (Schiedsrichterkasse) einwandfreie Arbeit attestierten, wurden Vorstand und Ausschüsse einstimmig entlastet. Der von Wolfgang Seibert vorgeschlagene ausgeglichene Haushalt für 2024 mit einem Volumen von 198.000 Euro wurde einstimmig beschlossen.

Die Vereine, denen neun Anträge zur Entscheidung vorlagen, entschieden sich für die Durchführung der Männer-Regionalliga Südwest, also gemeinsam mit Vereinen aus Rheinland-Pfalz und in zwei Vorrunden-Staffeln und einer Endrunde, die ein Ranking von 1 bis 10 oder 12 ergeben wird, für einen strengen Strafenkatalog für den Fall von kurzfristigen Spielabsagen, für die Einrichtung eines Fördertopfes für die Vereine außerhalb der Hochburg Heidelberg, welcher aus den Strafgeldern gespeist wird, für die Fortführung der Verbandsliga im olympischen Siebenerrugby und für die Einführung einer Pokal-Meisterschaft in Baden-Württemberg.

Bei den Wahlen konnte jedes Amt besetzt werden. Gewählt wurden, Vorsitzender: Claus-Peter Bach (SC Neuenheim); Stellvertretende Vorsitzende: Alexander Pipa (TSV Handschuhsheim/für Nordbaden), Roland Geuss (Freiburger RC/für Südbaden), Karl-Heinz Bahr (RC Rottweil/für Württemberg); Schatzmeister: Wolfgang Seibert (Heidelberger TV); Stellvertretender Schatzmeister: Georg Walter (SC Neuenheim); Lehrwart: Jan Ceselka (TSV Handschuhsheim); Sportwart: Benjamin Merdes (SC Neuenheim); Schriftführer: Julian Schmitt (Heidelberg Hellhounds); Staffelleiter, Regionalliga: Alexender Wiedemann (Heidelberger RK), Verbandsliga: Christoph Papajewski (Stuttgarter RC); Jugendwartin: Caroline Trost (Heidelberger TV); Schulrugby-Beauftragter: Bernard Guyénot (Stuttgarter RC); Schiedsrichter-Obmann: Thomas Bollian (RG Heidelberg); Passstelle: Regina Schuster (Heidelberger RK); Frauenwartin: Caroline Augspurger-Hacker (Heidelberger RK); Oldies-Beauftragter: Caleb Cooke (RC Konstanz); Antidoping-Beauftragter: Markus Hirsch (Stuttgarter RC); Ombudsmann für sexualisierte Gewalt: Bo Pernter (MTV Ludwigsburg).

Donnerstag, 16. Mai 2024

Der HRK ist wieder da

Mit großem Zusammenhalt und vielen jungen Talenten zurück in die Rugby-Bundesliga

Deutschlands ältester Rugbyverein ist wieder erstklassig. Der 1872 gegründete Heidelberger Flaggenklub, der 1874 Rugby in sein Sportprogramm aufnahm und dann Ruderklub hieß, hat sich die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Süd gesichert und ist auf direktem Wege in die Bundesliga Süd/West zurückgekehrt. Mit 94:0 über Schlusslicht TSV Nürnberg wurde im 13. Saisonspiel der 13. Sieg gefeiert. Nur in der Vorrunde – beim 16:6 in Unterföhring und beim 37:30 in Rottweil – musste das HRK-Team hart kämpfen, alle anderen Spiele brachten klare Erfolge, und zum letzten Match ist der RC Studentenstadt München-Freimann, dem dem Vernehmen nach die Spieler ausgegangen sind, beim HRK nicht angetreten.

Die 797:72 Spielpunkte, die die Fünfzehn von Trainer Emanuele Monaci und der beiden Spielertrainer Steffen Liebig und Jörn Schröder zu Buche stehen hat, drücken die Überlegenheit in Zahlen aus. Nachdem der zwölfmalige deutsche Rugby-Meister am Ende der Saison 2022/23 „als Trümmerhaufen“, so Steffen Liebig, aus der Eliteklasse abgestiegen war, haben vier Faktoren zu einem deutlichen Leistungsanstieg und sofortigen Wiederaufstieg geführt: „Jörn Schröder, Andrew Reintges und ich haben sofort erklärt, dass der Abstieg unsere Schuld ist und dass wir uns dafür verantwortlich fühlen, diesen Misserfolg vergessen zu machen“, sagt Steffen Liebig.

Der 34-jährige Marketing-Mitarbeiter des Golfclubs St. Leon-Rot, der Erfahrung aus 29 Länderspielen in der deutschen Nationalmannschaft und zwölf internationalen Siebenerrugby-Turnieren mitbringt, stellte mit großer Freude fest, dass das Team bis auf zwei Spieler zusammenblieb und zu harter Trainingsarbeit bereit war. Insbesondere Erste-Reihe-Stürmer Schröder, der 32-jährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, und Deutschlands bester Hakler Reintges stürmten im Training und in den Spielen voran und wurden so zu Vorbildern für all die Jugendspieler, die seit Weihnachten 18 Jahre alt wurden, sofort um Stammplätze kämpften und so „einen gesunden Konkurrenzkampf erzeugten“ (Liebig).

Wichtig für die Festigung eines gehobenen Leistungsniveaus seien, so beteuert der Innendreiviertel Steffen Liebig, der mit acht Versuchen, zehn Straftritten und 36 Erhöhungen, also 142 Punkten, hinter dem Rottweiler Lukas Kästner (164) auf Platz zwei der Topscorer-Liste liegt, seien die sechs gemeinsamen Trainings mit der Bundesliga-Mannschaft des Sportclub Neuenheim gewesen, „dessen Trainer Curtis Bradford wir sehr respektieren.“ So konnten die HRK-Spieler sehen, was ihnen noch fehlt und was sie noch trainieren müssen, „um perspektivisch wieder zu einer Spitzenmannschaft in Deutschland zu werden.“ In der neuen Saison ist der sichere Klassenverbleib das erste Ziel.

Da der HRK seit den 1960-er Jahren eine herausragende Nachwuchsarbeit leistet, haben sich die dem Juniorenteam entwachsenen Jaden Gliatis, Tristan Link, Linus Meng, Haakon Oess und Max Zahner ziemlich schnell Stammplätze erobert, und David Jahn wurde kürzlich in die deutsche U20-Nationalmannschaft berufen. Jörn Schröder, Andrew Reintges und David Jahn beweisen, dass man nicht unbedingt in der Bundesliga spielen muss, um das Adler-Trikot tragen zu dürfen.

Da sich das HRK-Team eng mit dem Verein verbunden hat – zehn Spieler wirken als Nachwuchstrainer -, und sich die attraktive Spielweise herumgesprochen hat, genießt der Ruderklub in der 2. Liga deutlich mehr Zuschauerzuspruch als in den Vorjahren. Der Weg zum Harbigweg lohnt sich wieder, viele Alt- und Uraltmeister und etliche neue Fans schauen zu und erfreuen sich an den Leistungen ihrer Aufsteiger.

Sonntag, 28. April 2024

Heidelberg hat 89 Meistersportler

Beste Stimmung bei der Sportlerehrung im Olympiastützpunkt – Beate Biazeck, Bernd Bockmeyer und Manfred Schückler sind „Förderer des Sports“

Von Claus-Peter Bach

Heidelbergs Sportkreis-Vorsitzender Gerhard Schäfer begann die gemeinsame Sportlerehrung von Stadt und Sportkreis mit einem flotten Spruch, indem er den seit 2006 bei dieser  traditionellen Veranstaltung bewährten Moderator Frank Schuhmacher so vorstellte: „Er ist inzwischen Rektor einer Schule und dennoch ein anständiger Mensch.“ Mit seinem Humor gab der Oberstudienrat im Ruhestand den Ton bei der rund zweistündigen Ehrungsgala in der schmucken OSP-Boxhalle vor, in der rund 250 Gäste einen Abend erlebten, den das Saxofon-Quartett „Famdüsax“ mit schwungvollen Rhythmen eröffnete, die U19- und U22-Nationalkader-Boxer, die 2028 bei Olympia in Los Angeles ihren Leistungshöhepunkt erreichen wollen, mit Bundestrainer Vladimir Pletnev ihr beachtliches Können im Ring demonstrierten und bei dem Oberbürgermeister Eckart Würzner, Gerhard Schäfer und Sportamtschef Gert Bartmann erfreulich kurze Reden hielten.

Würzner betonte in Anwesenheit der Stadträtin Marliese Heldner und ihrer Kollegen Waseem Butt, Matthias Kutsch, Nicolá Lutzmann, Adrian Rehberger, Michael Rochlitz, Christoph Rothfuß, Bülent Teztiker und Bernd Zieger, wie wertvoll der überwiegend ehrenamtlich organisierte Leistungssport in den Heidelberger Vereinen sei, „denn er schafft Vorbilder für die gesamte Stadtgesellschaft und hebt diejenigen Sportlerinnen und Sportler heraus, die sich in Training und Wettkampf besonders angestrengt haben. Auf unsere Meisterinnen und Meister können wir stolz sein!“, rief Würzner in die Halle, der wissen ließ, dass die Stadt Heidelberg 2023 rund 2,9 Millionen Euro zur Unterstützung der Sportvereine ausgegeben hat. Nicht wenige Zuhörer wissen aber, dass das angesichts der neuen Aufgaben, die Übungsleitende der Heidelberger Vereine ab 2026 im schulischen Ganztag übernehmen sollen, viel zu wenig Geld sein wird.

Stadt und Sportkreis Heidelberg zeichneten 89 Meisterinnen und Meister aus 14 Sportarten aus, einen mehr als im Vorjahr. Besonders erfolgreich waren wieder die Schwimmer des SV Nikar als deutscher Mannschaftsmeister und mit nationalen Champions in vielen Einzellagen, die Fechter der TSG Rohrbach, die im Blindenschach, Gehörlosen-Skisport und Gehörlosen-Schießen siegreichen Behindertensportler, die Rugbyspielerinnen des Heidelberger Ruderklub, die Siebenerrugby-Spieler der Rudergesellschaft Heidelberg sowie die WSC-Wassersportler, HTV-Turnerinnen und TSG-78-Leichtathleten, die mit Felix Trogisch den deutschen 400-m- und 400-m-Hürdenmeister der Altersklasse 35 stellten.

Nicht weniger als acht Senioren der TSG 78 haben im letzten Jahr das Goldene Sportabzeichen zum wiederholten Mal gewonnen, wobei für Margarete Heiler, Gabriele Müller (40-mal erfolgreich), Theo Fischer (50-mal) und den unverwüstlichen Wilfried Bechtel, der die Sportabzeichen-Prüfungen seit 60 Jahren alljährlich absolviert, besonders heftiger Applaus aufbrandete. Schließlich wurden Beate Biazeck von Onko-Aktiv, Bernd Bockmeyer als Meisterturner des TSV Pfaffengrund und Manfred Schückler als ehemaliger Handball-Torjäger und langjähriger Vorsitzender des TSV Handschuhsheim auf Beschluss des Sportauschusses der Stadt zu „Förderern des Sports“ ernannt.

Die von einer Expertenjury vorgenommene Wahl der „Sportler des Jahrers 2023“ brachte folgendes Resultat, Sportlerin: 1. Lisa Gutfleisch (HRK-Rudern), 2. Irina Schönberger (OSP-Boxerin), 3. Kim Herkle (OSP-Schwimmerin); Sportler: 1. Lennart Sass (Judoka des JT Heidelberg/Mannheim, für die Paralympics 2024 in Paris qualifiziert), 2. Nico Guldan (Golfer des GSV Heidelberg), 3. Niklas Stechele (OSP-Ringer); Team: 1. SV Nikar-Schwimmer, 2. RGH-Siebenerrugbyspieler, 3. Degen-Damen der TSG Rohrbach; Senioren: 1. Lars Kalenka (Nikar-Schwimmer), 2. Henning Wirth (Degenfechter der TSG Rohrbach), 3. Thomas Henrichs (Volleyballer der TSG Rohrbach).  

Als der USC Heidelberg deutscher Basketball-Meister war

In den 1970-er Jahren waren die Korbjäger als Amateure eine Macht

In den 1970-er Jahren schrieben zwei Heidelberger Sportvereine ganz fette Schlagzeilen. Die Rugbyspieler des Heidelberger Ruderklub begeisterten 1971, 1973 und 1976 mit den deutschen Meisterschaften und den Trainern Martin Schuster, Aurel Barbu und Karl Lachat sowie mit den Pokalsiegen 1973 und 1976 die Fans des ovalen Balles, während die Korbjäger des USC Heidelberg zwei deutsche Meisterschaften, drei Vizemeisterschaften und zwei Pokalerfolge feierten und eine ganze Stadt in Basketball-Fieber versetzten.

„Es waren schöne Jahre. Wir waren zwar reine Amateure, aber wir waren erfolgreich und eine verschworene Gemeinschaft. Bis heute sind wir Freunde“, erinnert sich Wolfgang Lachenauer (75). Der noch immer aktive Rechtsanwalt, der „Die Heidelberger“ 26 Jahre lang im Gemeinderat seiner Heimatstadt vertrat, war am 24. März 1973, als der USC im Bundesleistungszentrum seine achte deutsche Meisterschaft erkämpfte, Kapitän der Heidelberger Korbjäger, die ihre ersten sieben Meistertitel von 1957 bis 1962 und 1966 mit den Trainern Anton Kartak, Kurt Siebenhaar und Theodor Schober errungen hatte.

Nachdem das USC-Team des US-amerikanischen Trainers Dick Stewart, eines Lehrers an der Heidelberger Highschool, die Bundesliga Süd hinter dem MTV Gießen und dem USC München auf dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen hatte, folgten in der Endrunde fünf Siege in sechs Spielen. In den Halbfinals entthronte der USC den Titelverteidiger TuS Leverkusen mit 64:52 und 70:60. Vor Saisonbeginn war der Mainzer Nationalcenter und Olympia-Teilnehmer Dietrich Keller von Leverkusen nach Heidelberg gewechselt, weil ihm der USC einen attraktiven Arbeitsplatz bei Boehringer in Mannheim vermitteln konnte. Die erneute Endspiel-Teilnahme signalisierte dem 2,09 Meter großen Brettcenter, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Dick Stewart hatte die erste Saisonhälfte darauf verwendet, mit seinen Spielern Kondition zu bolzen. „Das war unmenschlich. Oft waren wir nach den Trainings so groggy, dass wir uns unter der Dusche hinlegen musste“, erinnert sich Didi Keller (80), „doch unsere physische Stärke war in den Endspielen vielleicht unser Plus“, sagt Wolfgang Lachenauer. Die Center Christoph Staiger und Dietrich Keller, der nach dem Urteil seiner Freunde „überragende Spielmacher“ Hans Riefling und die Guards Wolfgang Lachenauer und Hilar Geze, der aus der damaligen Tschechoslowakei gekommen war, bildeten beim 70:70 in Gießen die Startformation des USC. Vizekapitän Detlef Schöpf, Friedhelm Berres, Walter Fuchs, Horst Herrmann, Walter Wieland, Armin Zimmermann und der aus den USA gekommene Brasilianer George Weston, der bereits vor Jahren verstorben ist, vervollständigten ein Team, das im Rückspiel vor über 2000 Zuschauern die stärkeren Nerven hatte und mit 71:70 Match und Titel gewann.

Leib an Leib, eng gedrängt wie Ölsardinen in der Dose, standen die Fans in der erst im Vorjahr eingeweihten BLZ-Halle. Unter den Zuschauern jubelte der Multisportler Kuno Birk, den sie schon zu Lebzeiten „Der Legendäre“ nannten und der, weil in der überfüllten Halle Rauchverbot herrschte, an seiner Zigarre vor Aufregung so heftig knabberte, dass bei der Schlusssirene die dicke Havanna vollständig aufgegessen war. Riefling hatte 26 Punkte zum Sieg beigetragen, Geze 18 und Keller 12, und nach der kleinen Kabinenfeier ging die ganze Mannschaft ins obere Foyer des BLZ, wo die Vereinsführung ein kalt-warmes Büffett aufgebaut hatte. „Als wir kamen, hatten die Ehrengäste schon alles aufgegessen“, schmunzelt Didi Keller – denn dem Meisterteam blieb nichts anderes übrig, als auf „große Tour“ zu gehen: Erst zum Essen in den Weißen Stein, dann in den Reichsapfel, den Bierbrunnen und die Tangente, wo die kleineren Spieler auf den Polstersitzen tanzten und dennoch kaum größer waren als Christoph Staiger und Didi Keller.

Nach diesem Titelgewinn sorgten Riefling und Keller, denen berufstätige Menschen das Training einfach zu hart war, für einen Trainerwechsel. Der neue Chef hieß Hans Leciejewski, der 1966 mit dem USC Basketball-Meister und 1969 mit der SG Leutershausen deutscher Feldhandball-Meister gewesen war. Mit dem 15-maligen Nationalspieler, an dessen Seite der umsichtige und bienenfleißige Basketball-Abteilungsleiter Dieter Joseph eine prägende Bedeutung erhalten sollte, wurde der USC 1974 (54:67 und 64:70 in den Endspielen gegen den SSV Hagen) und 1975 (69:84 und 67:56 gegen Gießen) zwei Mal Vizemeister, ehe nach einem vierten Rang 1976 in der einteiligen Bundesliga 1977 der neunte Meistertitel und der erste Pokalerfolg gelangen.

Bereits im Sommer 1974 war der damals 21-jährige Nationalspieler Harald Rupp aus Osnabrück nach Heidelberg gewechselt, „weil ich hier einen sicheren Jura-Studienplatz erhalten habe. Die Ausbildung und der Beruf waren uns ebenso wichtig wie der Sport“, sagt der 71-jährige Rechtsanwalt, der fortan mit Hans Riefling ein geniales Playmaker-Pärchen bildete. Der aus Wolfenbüttel gekommene Deutsch-Amerikaner Wolfgang Fengler und Didi Keller herrschten 1976/77 unter den Körben, Rainer Frontzek (aus Leverkusen), der US-Soldat Hershel Lewis, Jochen Schmitt, Hans Niklas (aus München) und der mit offenem Haupthaar über das Parkett wieselnde Hans-Peter „Lukas“ Kaltschmitt trafen häufig aus der Distanz, und Bernd Kimpel (aus Langen), Hans-Joachim Strüven und Michael Vogel, dessen Sohn Alex heute Manager der MLP Academics ist, ergänzten das Doppelmeister-Team.

Die Heidelberger schlossen die Bundesliga-Hauptrunde und die Endrunde der besten sechs Vereine jeweils auf Platz eins ab, Vizemeister wurde Leverkusen vor Gießen und Hagen. Rainer Frontzek belegte unter den besten deutschen Korbjägern mit 213 Punkten Platz fünf vor Hershel Lewis mit 210 Punkten als Sechster. Nach dem letzten Endrundenspiel, einem 90:77 gegen Hagen – Center Keller war mit 24 Punkten Topscorer – ging es geschlossen in den Bierbrunnen, wo der Wirt Hans Eitel häufig zwischen Tresen und Fassanstich im Keller hin und her sprinten musste. Und die Fans waren mittendrin und nicht nur bei den Spielen dabei…

In den Pokalendspielen legte der USC einen 88:70-Heimsieg gegen Leverkusen vor, ehe die Rheinländer das Rückspiel mit 87:72 gewannen und die Heidelberger den Pott mit 160:157 holten. Hatte der Berghausener Roland Geggus (+ 2011), der spätere Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, schon ab 1976 als Assistent von „Lambi“ Leciejewski (+ 2017) gewirkt, so führte er den USC 1978 als Cheftrainer zur deutsche Vizemeisterschaft hinter dem MTV Gießen, während es in den beiden Pokalendspielen gegen den SSV Hagen erneut ganz knapp wurde: Heidelberg gewann zuhause dank der 22 Punkte des US-Amerikaners Mark Veenstra und der 20 Punkte Wolfgang Fenglers mit 78:69, während im Rückspiel die Hagener mit 90:82 siegten. Mit 160:159 gewann der USC zum zweiten Mal den DBB-Pokal, obwohl Riefling, Keller und Lewis nicht mehr dabei waren. 1979 folgte Bundesliga-Platz sechs, 1980 der Abstieg in die 2. Liga.   

Dienstag, 23. April 2024

Eckart Würzner geht in seine siebte Amtszeit

Der Heidelberger OB bleibt Vorsitzender der Sportregion Rhein-Neckar, die 20. Jubiläum feiert

Der Heidelberger Oberbürgermeister Professor Dr. Eckart Würzner wurde am Montagabend in der Mannheimer SAP Arena erneut zum Vorsitzenden der Sportregion Rhein-Neckar gewählt. Der 62-Jährige erhielt bis auf eine Enthaltung alle Stimmen der anwesenden 70 Mitglieder des Vereins und geht mit kräftigem Rückenwind in seine siebte zweijährige Amtszeit.

Die Mitgliederversammlung wählte den Mannheimer Bürgermeister Ralf Eisenhauer, Gregor Greinert als Geschäftsführer des Unternehmens Alugha.com, Professor Dr. Henning Plessner als geschäftsführenden Direktor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg und Rudolf Storck, den Präsidenten des Sportbundes Pfalz, als Vizepräsidenten sowie den Heidelberger Sportkreis-Vorsitzenden Gerhard Schäfer als Schatzmeister in den geschäftsführenden Vorstand, der von einem 18-köpfigen erweiterten Vorstand mit Repräsentanten aus Vereinen, Sportkreisen, Sportbünden, Städten und Gemeinden sowie Wirtschaftsunternehmen aus Nordbaden, Südhessen und der Pfalz beraten und unterstützt wird. Prominenteste Mitglieder des erweiterten Vorstandes sind Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und Mandy Rupp (Mannheimer HC) als Vertreterin der AOK-Gesundheitskasse, die unter ihrem Mädchennamen Mandy Haase 2004 in Athen Hockey-Olympiasiegerin war.

Am 16. November wird die 2004 auf dem Hockenheimring gegründete Sportregion Rhein-Neckar 20 Jahre alt. Deshalb wird die am 21. Oktober im Mannheimer Rosengarten stattfindende SportAward-Nacht (Tickets gibt es bereits unter der Hotline 0351 – 30708010 oder im Internet unter www.sportawardrheinneckar.de) auch zu einem stilvollen Jubiläumsfest, bei dem die besten Athletinnen und Athleten der Region im Mittelpunkt stehen und geehrt werden. Zwei Vorstandsmitglieder sind übrigens seit 2004 dabei: Ehrenpräsident Heinz Janalik vom Badischen Sportbund Nord und Gerhard Schäfer.

Dieser erhielt großen Beifall und ein dickes Lob der Kassenprüfer Gert Bartmann (Heidelberg) und Wolfgang Köllner (Ludwigshafen) für eine einwandfreie Kassenführung und ein tadelloses Ergebnis, denn 2023 haben die Einnahmen des Vereins den Planansatz um 4000 Euro übertroffen, während die Ausgaben um rund 20.000 Euro geringer ausgefallen waren. Dies führte dazu, dass der Kassenbestand auf 162.661 Euro angeschwollen ist, was die Mitglieder dazu bewog, dem Vorstand Entlastung zu erteilen und den Haushaltsplan 2024 mit Einnahmen in Höhe von 180.000 Euro und Ausgaben von 197.000 Euro einstimmig zu genehmigen.

Waren zuletzt die Faustball-WM und die Handball-EM der Männer in Mannheim sowie die Handball-Länderspiele der Frauen in Heidelberg die sportlichen Höhepunkte in der Region, so wird in diesem Jahr die Weltmeisterschaft im Tauziehen am Mannheimer Alsenweg eine Attraktion werden. In den Mannschaftssportarten mit 72 Erstligisten der Frauen und Männer ist die Sportregion Rhein-Neckar besonders stark.

In wenigen Wochen wird die Sportregion ihr von der regionalen Wirtschaft gefördertes „Team Paris“ zu den Olympischen und Paralympischen Spielen vom Rhein und Neckar an die Seine entsenden. Wie Daniel Strigel, der Leiter des Olympiastützpunkts MRN, erklärte, wird das „Team Paris“ diesmal 30 plus X Athletinnen und Athleten umfassen.