Samstag, 16. Dezember 2023

Erster Turniersieg in Dubai

Die deutsche Siebenerrugby-Nationalmannschaft landete zum Jahresende einen Coup

Kaum zwingt der Winter die Mannschaften in Deutschland zu einer längeren Spielpause, blüht die Siebenerrugby-Nationalmannschaft unter südlicher Sonne prächtig auf. Der Europameisterschafts-Siebte dieses Jahres hatte seine erste Bewährungsprobe mit dem neuen Trainerduo, das aus dem Spanier Pablo Feijoo (41) und dem Heidelberger Clemens von Grumbkow (40) besteht, bei den Safari Sevens in Nairobi, wo Kenia als 34. der Weltrangliste seit Jahren sein mit sehr guten Mannschaften besetztes Einladungsturnier im olympischen Siebenerrugby ausrichtet.

Nach Platz zwei im Vorjahr belegte die verjüngte und weitgehend neuformierte deutsche Mannschaft, die über die beiden Turniertage wie immer zwölf Spieler einsetzen durfte und für die sich acht Heidelberger qualifizierten, den vierten Rang. Offenbar hatte es vor dem Turnier in Kenia viel geregnet, denn die Teams trugen ihre Spiele auf einem sehr matschigen und am zweiten Turniertag tief braunen Platz aus.

Rugby Deutschland (RD) startete mit einem 33:17-Sieg gegen den KCB Nairobi in die Safari Sevens, musste dann aber gegen die britische Samurai-VII trotz zweier Führungsversuche von Neuling Daniel Hamilton-Strong von der englischen Loughborough University und von Jakob Dipper vom SC Neuenheim eine 12:15-Niederlage hinnehmen. Gegen die südafrikanische Auswahl der Western Province glückte nach vier Versuchen von Johann Eschenbach (2) vom spanischen Pozuelo RU, Maximilian Heid (SCN) und Dipper ein überraschend klarer 26:7-Sieg. Den Ehrenversuch für die renommierte Provinz aus dem Lande des dreimaligen Rugby-Weltmeisters legte der ehemalige Neuenheimer Flankenstürmer André Viviers. Mit einem 15:14-Sieg gegen Kenias Perspektivteam Morans, zu dem Hamilton-Strong, Bastian van der Bosch (RG Heidelberg) und Jonathon Dawe (SCN) die drei Versuche beisteuerten, waren Gruppenplatz zwei und das Halbfinale erreicht.

Es folgten zwei Niederlagen, weshalb sich Trainer von Grumbkow so äußerte: „Es war ein enttäuschender Abschluss eines eigentlich positiven Turniers.“ Im Semifinale gegen Kenias Olympiateam gelang bei der 5:24-Niederlage nur ein Versuch durch Bennet Veil vom TSV Handschuhsheim, und im Bronze-Spiel gegen Uganda musste sich die RD-VII dem 37. der Weltrangliste mit 7:31 geschlagen geben. Eschenbach hatte den einzigen deutschen Versuch gelegt, Max Roddick (SCN) mit der Erhöhung getroffen. „Nach einer Halbfinal-Niederlage funktioniert unser Team irgendwie nicht mehr“, kritisierte Clemens von Grumbkow.

Bei den Emirates Dubai Sevens, einem der renommiertesten Einladungsturniere der Welt, funktionierte die nun in stärkerer Besetzung angetretene deutsche Mannschaft, in der erneut acht Heidelberger mitwirkten, sogar in der Verlängerung des Endspiels perfekt, als Jakob Dipper der Golden Try zum 17:12-Sieg über Georgien gelang. „Wir haben nach zehn Jahren zum ersten Mal das Endspiel in Dubai erreicht und sind glücklich, dass wir es gewonnen haben“, freute sich Trainer von Grumbkow.

Im ersten Match gegen die französischen Froggies gelangen Niklas Koch (2/Germania List) und Makonnen Amekuedi (RGH) zwar drei Versuche, doch die Franzosen siegten mit 17:15. Die nächsten Gruppenspiele gegen die Euskarians (49:0) und die Fosroc Steelers (21:12), zwei mit Akteuren aus aller Welt besetzten Einladungsteams, wurden jedoch sicher gewonnen.

Im Viertelfinale gegen die Iren und Neuseeländer des Teams Speranza 22 legten die Deutschen vier Versuche durch Koch (3) und Tim Lichtenberg (RGH), von denen Felix Hufnagel (Germania List) drei zum 26:14-Sieg erhöhte. Im Halbfinale gelang den Deutschen eine echte Sensation, denn sie besiegten Irland, den Zweiten der Weltrangliste, durch Versuche von Dipper und Lichtenberg sowie eine Hufnagel-Erhöhung mit 12:7. Im Finale lag Georgien zur Pause mit 7:5 vorne und erhöhte sogar auf 12:5. Koch und Hufnagel sorgten für die Punkte zum 12:12 nach regulärer Spielzeit, doch dann legte Jakob Dipper den goldenen Versuch.

Zwei Siege (31:5 gegen Northern Gladiators und 21:0 gegen Blitz Panthers) und zwei Niederlagen (14:21 gegen Peregrines und 10:21 gegen Central Invitational) erreichte die deutsche U19-Nationalmannschaft in Dubai mit neun von zwölf Heidelberger Talenten im Aufgebot, was das Aus im Viertelfinale führte. Alle vier gegnerischen Mannschaften kamen aus Südafrika.        

Sonntag, 26. November 2023

IOC-Präsident Dr. Thomas Bach über Olympische Spiele in Deutschland

Zur Fastnacht stieg Zeus in die Bütt


Kaum hat sich der November auf unser Gemüt gesenkt, sind die Narren los und haben die ersten Räusche der Fastnachts-Kampagne 2023/24 ausgeschlafen. Es war viel los in den Karnevals-Hochburgen am Rhein, und auch die Fassenachter in der Kurpfalz und im Allemannischen haben sich hübsche neue Kostüme geschneidert. Viel Liebe zum Detail und zur fünften Jahreszeit kommt da zum Ausdruck.

In unserer Landeshauptstadt stieg Dr. Thomas Bach in die Bütt, und wie es seinem Selbstverständnis als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entspricht, hatte er sich als Zeus verkleidet. Der Franke versteht sich als Chef aller Götter im Weltsport, aber ein bisschen anmaßend ist das schon, denn Zeus hatte – wie selbst wir kleine Deppen im naturwissenschaftlichen Gymnasium erfuhren – drei Ehefrauen. Bach hat nur eine.

Mein Papagei war unter den geladenen Gästen im feinen Foyer einer Stuttgarter Bank, denn er verfolgt seit Jahrzehnten den kometenhaften Aufstieg des vom legendären Trainer Emil Beck protegierten Fechters zum IOC-Präsidenten und er arbeitet – aber das verraten wir nur Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser und liebes Leserlein – an einer Thomas-Bach-Biografie. Arbeitstitel: „Ein Bächlein aus der Vogelperspektive“.

In der Bütt sprach Zeus über äh die Werte äh des Sports in der äh heutigen Welt und betonte mehrfach die Bedeutung der Charta des IOC. Das ist eine Art Gesetzbuch, das er und die niederen Götter im Olymp selbst geschrieben haben. Nicht nur mein Papagei war erstaunt über die Brüller und Pointen, mit denen Zeus seine Reime würzte, und meinte bewundernd: „Jetzt ist er reif für ,Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht‘“. Auch seriöse Blätter wie die Stuttgarter Nachrichten und die Badischen Neuesten Nachrichten haben berichtet, dass Deutschland solange keine Olympischen Spiele ausrichten dürfe, solange die Bundesregierung gegen die Olympische Charta verstoße.

Diese schreibe vor, dass Menschen aus aller Welt, insbesondere Sportler und deren Staats- und Regierungschefs, jederzeit freien Zugang ins Ausrichterland und diplomatische Immunität erhalten müssen. Wer also Russen, Weißrussen und andere Kriegsverbrecher boykottiere oder sanktioniere, wer sich sogar weigert, Bachs langjährigem Partner Wladimir Putin dreimal täglich die Füße zu küssen, der dürfe niemals mehr Olympia organisieren. „Damit sparen wir viel Geld, also lasst uns ruhig weiterhin die Olympische Charta verletzen“, rät mein Papagei der Ampel und erhält sofort einen Klaps auf den Schnabel, weil man so etwas im Sportland Baden-Württemberg nicht sagen sollte.

Ob die Olympische Charta auch für ihn selbst gelte, ließ Zeus offen. Nicht wenige Menschen in Deutschland (und im IOC) würden die Einhaltung der Vorschriften begrüßen, denen zufolge die Amtszeit des 2013 gewählten Zeus nach zwei Perioden zu Ende gehen muss. Sebastian Baron Coe (67), 1500-m-Olympiasieger in Moskau und Los Angeles und mit acht Weltrekorden einer der besten Mittelstreckler aller Zeiten, würde den ehemaligen „Stricknadelboxer“ (Basketball-Meistertrainer Hans Leciejewski, 1944 – 2017) aus Tauberbischofsheim gerne ablösen, doch in der Stuttgarter Bütt ließ Zeus wissen: „Jede Regel kann gebrochen werden.“

Nun wissen wir, wie es um die Werte des Sports in diesen Zeiten wirklich bestellt ist.

Sonntag, 5. November 2023

Trauer um Kurt Dörr

Der Rugby-Nationalspieler und Landestrainer starb mit 84 Jahren

Am 18. Oktober verstarb Kurt Dörr vom Heidelberger Turnverein, einer der besten deutschen Rugbystürmer aller Zeiten. Der 1939 in der Heidelberger Altstadt geborene Maler, der mit seiner Ehefrau Marianne in Leimen lebte, wurde - von seinen Sportkameraden geliebt und geachtet - 84 Jahre alt und wird am Dienstag um 14 Uhr auf dem Bergfriedhof in Leimen beigesetzt.

In seiner Jugend war „Kortsche“, wie ihn seine Freunde riefen, Ringer beim ASV Heidelberg und Fußballer bei der FG Union, ehe er als 19-Jähriger großer, schneller und trainingsfleißiger Topathlet in der Klingenteichhalle erstmals am Rugbytraining des HTV teilnahm. Schon bald hatte er einen Stammplatz in der dritten Sturmreihe seines HTV, ab 1961 in der badischen Auswahl und ab 1966 auch in der deutschen Nationalmannschaft. Die 6:8-Niederlage in Chalon-sur-Saone gegen Frankreich im ersten seiner 24 Länderspiele war das Ergebnis einer herausragenden Leistung.

Am 12. November 1972 zählte Kurt Dörr zu den „Helden von Bukarest“, die im Dinamo-Stadion Rumänien, die zweitbeste Mannschaft des Kontinents, mit 11:10 besiegten. An Sturmführer Dörr und seinen Nebenleuten Fritz Pfisterer und Gerhard Sammet kam kein Rumäne vorbei. „Ich war der Abfangjäger vor unserer Dreiviertelreihe“, erinnerte sich Kurt Dörr, der von 1986 bis 1996 als Landestrainer viele baden-württembergische Akteure nach seinem Vorbild zu Nationalspielern formte. Stolz war er auf seinen früh verstorbenen Sohn Udo, Nationalstürmer wie der Vater.

Mit der HTV-Fünfzehn hat Kurt Dörr drei Endspiele um die deutsche Meisterschaft bestritten: 1974 als Führungsspieler auf eigenem Platz gegen den SV 08 Ricklingen (9:15), 1979 als Trainer in Hamburg gegen Germania List (0:9) und 1994 als Sportlicher Leiter in Heidelberg gegen Victoria Linden (3:15). Die A-Jugend des HTV wurde 1977 mit den Trainern Martin Uhl und Kurt Dörr deutscher Meister. Einige dieser Junioren sind ihrem Verein bis heute verbunden.       

Sonntag, 29. Oktober 2023

Südafrikas Springboks sind Rekord-Weltmeister

Handre Pollard entschied den Kampf der Rugby-Titanen beim 12:11-Sieg über Neuseeland mit vier Straftritten

Das eiskalte Kalkül des südafrikanischen Teammanagers Rassie Erasmus (50) ist voll aufgegangen. Nachdem sich der für die Kubota Spears in Tokio hakelnde Malcolm Marx zu WM-Beginn am Bein verletzt hatte, nominierten Erasmus und Cheftrainer Jacques Nienaber (51) keinen Stürmer nach, sondern holten den 29-jährigen Verbindungshalb Handre Pollard von den englischen Leicester Tigers ins WM-Team nach Frankreich, der die Springboks 2019 in Japan zum Weltmeistertitel gekickt und danach bis 2022 in Heidelbergs Partnerstadt Montpellier einen Ball nach dem anderen zwischen die Malstangen gekickt hatte. Erasmus und Nienaber beherzigten die Feststellung des Heidelberger Steuerberaters und Rugby- Samstagabend Historikers Rudolf S. Eberle, der immer wieder gesagt hatte: „Rugbyspieler gewinnen einzelne Spiele, Kicker aber entscheiden Meisterschaften.“

Am Samstag vor 80 000 Zuschauern im Stade de France in St. Denis, unter ihnen die Tennis-Asse Roger Federer und Novak Djokovic, gewann Südafrika das Endspiel der X. Rugby-Weltmeisterschaft gegen Neuseeland mit 12:11 (12:6) Punkten und eroberte den goldenen Webb-Ellis-Cup nach 1995, 2007 und 2019 zum vierten Mal. Die Springboks sind damit alleiniger Rekord-Weltmeister vor Neuseeland (3 Titelgewinne), Australien (2) und England (1). Alle zwölf Punkte des alten und neuen Weltmeisters erzielte Handre Pollard durch vier Straftritte in der 3., 13., 19. und 34. Spielminute.

Eine konkrete Versuchschance hatte Südafrika über die gesamten 80 Minuten des super-spannenden, weitgehend fairen und von dem Engländer Wayne Barnes (44) korrekt geleiteten Endspiels nicht, aber die Springboks begingen kaum gröbere Fehler und verteidigten ihren permanenten Vorsprung mit eiserner Disziplin. Kapitän Siya Kolisi, der sein Team zum zweiten WM-Titel nach 2019 in Tokio geführt und am späten Samstag den Pokal von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron überreicht bekam, und Flügelflitzer Cheslin Kolbe übertrieben zwar den körperlichen Einsatz und wurden in der 46. und 74. Minute mit zehnminütigen Abkühlungspausen bestraft, doch brachten ihre Teamkameraden den Ein-Punkte-Triumph über die Zeit. Kolbe, bereits 2019 Weltmeister, durfte den Cup an seinem 30. Geburtstag in den Pariser Nachthimmel recken.

Neuseeland lag stets zurück, war in der zweiten Spielhälfte die bessere Mannschaft und erzielte durch Schlussmann Beauden Barrett in der 58. Minute auch den einzigen Versuch dieses Endspiels zum 12:11, nachdem Kicker Richie Mounga in den 17. und 38. Minute mit zwei Strafkicks getroffen hatte. Doch zum einen mussten die All Blacks ab der 29. Minute ohne ihren Flankenstümer und Kapitän Sam Cane auskommen, und zum anderen verfehlten Moungas Erhöhungskick und Jordie Barretts weiter Straftritt, die den nicht unverdienten Sieg der Neuseeländer hätten bringen können, knapp das Goal.

Dass Sam Cane nach einem unbeabsichtigten Schulterstoß gegen den Kopf eines Südafrikaners vom Referee mit einer gelben Karte bestraft wurde, geht vollkommen in Ordnung. Dass eine anonyme Disziplinarkommission die Zeitstrafe binnen acht Minuten in einen dauerhaften Platzverweis umwandelte, obwohl der Springbock quietschfidel weiterspielen konnte, zählt zu den Merkwürdigkeiten dieser WM.

Die Bronzemedaille gewann am Freitagabend England durch ein 26:23 (16:10) gegen Argentinien, und auch in diesem Match sorgte ein Kicker für die Entscheidung. Beide Teams legten zwei Versuche – England durch Ben Earl und Theo Dan, die Pumas durch Tomas Cubelli und Santiago Carreras – und trafen durch Owen Farrell und Emiliano Boffelli auch mit beiden Erhöhungen, doch hatte Englands Kapitän mit vier Straftritten und zwölf Punkten Erfolg, während die Argentinier Boffelli (6 Punkte) und der nach seinem letzten Rugbyspiel bittere Tränen vergießende Nicolas Sanchez (3) eine mögliche Verlängerung verpassten. 

Sonntag, 22. Oktober 2023

All Blacks gegen Springboks

Die beiden dreimaligen Weltmeister bestreiten das Endspiel der X. WM in Frankreich

Heidelberg. Die All Blacks aus Neuseeland und die Springboks aus Südafrika stehen sich am Samstag um 21 Uhr im Stade de France am nördlichen Stadtrand von Paris im Endspiel der X. Rugby-Weltmeisterschaft gegenüber. Beide Nationen haben den höchsten Titel im Rugbysport bereits drei Mal gewonnen: Neuseeland 1987, 2011 und 2015, Südafrika 1995, 2007 und 2019. Es ist die Neuauflage des Endspiels vom 24. Juni 1995, als Südafrikas Verbindungshalb Joel Stransky, ein Barmann aus Kapstadt, im Ellis-Park von Johannesburg mit drei Straftritten und zwei Dropgoals alle Punkte beim 15:12-Sieg nach Verlängerung gegen die von einer Magen-Darm-Verstimmung geplagten Neuseeländer erzielte und Staatspräsident Nelson Mandela den Webb-Ellis-Cup an Springbok-Kapitän Francois Pienaar überreichte. Das Finale der III. WM markiert das Ende des Amateurismus im Rugby.

Die All Blacks, die sich nach der 13:27-Auftakt-Niederlage gegen Gastgeber Frankreich von Spiel zu Spiel zu alter Klasse gesteigert haben, hatten es am Freitagabend ziemlich eilig, um Argentinien mit 44:6 zu überrollen. In einem Match, in dem ihnen alles gelang, erzielten die Männer von Trainer Ian Foster (58) sieben Versuche durch den schlanken Flügelflitzer Will Jordan (3), den Flankenstümer Shannon Fritzell (2), Innendreiviertel Jordie Barrett und Gedrängehalb Aaron Smith. Der einfallsreiche Spielmacher Richie Mounga besorgte mit drei Erhöhungen und einem Straftritt die restlichen neun Zähler. Die mit ausgefahrenen Krallen ins Spiel gestarteten Pumas des australischen Trainers Michael Cheika mussten sich mit zwei Straftritten ihres in Edinburgh spielenden Schlussmannes Emiliano Boffelli bescheiden.

Europäischen Rugby-Fans sind etliche Argentinier auch aus der französischen Top-14-Liga bekannt. Nicolas Sanchez spielt für Brive, Juan Mallia und Santiago Chocobares für Meister Toulouse, und der 2,04 Meter lange Marcos Kremer wird in Paris von den angenehmen Strahlen der Capri-Sun beschienen.

Die Hoffnungen mancher europäischer Rugby-Fans, dass wieder einmal eine Mannschaft aus der nördlichen Hemisphäre in das Finale einziehen könnte, wie es Frankreich 1987, 1999 und 2011 sowie England 1991, 2003 mit dem bisher einzigen Titelgewinn für Europa, 2007 und 2019 gelungen war, erfüllten sich am Samstagabend in St. Denis nicht. Denn Südafrikas eingewechselter Spielmacher und Superkicker Handre Pollard traf in der 77. Spielminute, drei Minuten vor dem Schlusspfiff, mit einem Straftritt aus 49 Metern Entfernung ins Goal und brachte seine Springboks damit erstmals und mit 16:15 entscheidend in Führung. Die 15 Punkte der zuvor defensiv fast unüberwindlichen Engländer hatte Kapitän Owen Farrell mit vier Straftritten und einem kunstvollen Sprungtritt besorgt. Wie Rugby-Experte Manuel Wilhelm (Heidelberg) bei Pro7 Maxx wissen ließ, ist Pollard mit 1,9 Millionen Dollar Jahressalär bei den englischen Leicester Tigers der bestbezahlte Rugbyspieler der Welt. 2019 hat er Südafrika zum WM-Titel gekickt, nun ins Enspiel…

Allerdings ist der Sieg der Titelverteidiger nicht unverdient, denn dem 2,06 Meter großen 28-jährigen Rudolph Gerhardus Snyman war in der 68. Minute der einzige Versuch dieses Handfinales gelungen, das stark von taktischen Kicks beider Teams und weniger von taktischen Finessen geprägt wurde.