Montag, 17. Dezember 2018

Über die Heidelberger Masters-Schwimmer


Die Freude am Wettkampf bleibt

Waren Sie schon einmal bei einem Schwimmfest, bei dem Athleten mit Bärenfellmützen zum Startblock schreiten? Christine Comtesse hat das erlebt, weshalb es nicht verwundert, dass die Athletin des SV Nikar Heidelberg – und mit ihr vier rüstige junge Männer und eine junge Frau – so gut wie keine Gelegenheit auslassen, zu internationalen Schwimmfesten zu reisen, um das zu erleben, dass den Sport abseits von Profitum und Kommerz so reizvoll macht: Spaß am Wettkampf und an der Begegnung mit Sportlern aus aller Welt.

Christine Comtesse, weniger berühmt als Ursel Wirth-Brunner, aber vom Schwimmen genauso begeistert wie Deutschlands „Sportlerin des Jahres 1963“ und Olympia-Medaillengewinnerin 1960 in Rom, hatte mit ihrem Hobby Schwimmen auch begonnen, als man noch bedenkenlos in den Neckar hüpfen und sich als Wasserratte von den Schleppkähnen flussaufwärts transportieren lassen konnte. „1950 bin ich in den SV Nikar eingetreten, und 2017 habe ich bei der Weltmeisterschaft in Sofia fünf Goldmedaillen gewonnen“, erzählt Christine Comtesse, nippt am Wasserglas und fügt mit einem entschuldigenden Schulterzucken hinzu: „2018 bei der Europameisterschaft in Slowenien waren es nur drei Bronzemedaillen.“ Dabei ist es der früheren Pflegepädagogin der Universität Heidelberg, die unzählige gesunde Krankenschwestern ausgebildet hat, eigentlich nicht so wichtig, ob sie bei einem Schwimmfest Medaillen aus dem Becken fischen kann.

„Hauptsache, ich habe Spaß gehabt und viele Eindrücke sammeln können“, betont Christine Comtesse, denn wer eine Reise tut und sich in der Altersklasse 75 der Masters-Schwimmer mit zehn hartnäckigen Konkurrentinnen aus Australien, Japan, Kanada und den USA gemessen hat, möchte seinen beiden Kindern und zwei Enkelkindern auch etwas erzählen: Die russischen Schwimmer mit den Bärenfellmützen hatten großen Eindruck gemacht, und berichtenswert ist es auch, dass Masters-Schwimmer, die als Letzte anschlagen, vom Publikum immer besonders herzlich beklatscht werden.

Die vier jungen Männer, die Christine Comtesse bei ihren Ausflügen begleiten, sind Lars Kalenka (45), Adrian Görler (50), Stephan Klevenz (50) und Marc Vaupel, der in der Altersklasse 55 antritt. Lars Kalenka, 1991 für die TG Heddesheim Deutschlands bester Rückenschwimmer und 2013 für den SV Nikar „Seniorensportler des Jahres“ in Heidelberg, ist in jungen Jahren so gerne international gestartet, dass er das einfach immer weiter macht und 2017 in Budapest mit dem Weltmeistertitel über 400 m Freistil und Silber in seiner Spezialdisziplin 200 m Rücken belohnt wurde. Bei der EM 2018 im slowenischen Kranj gab’s für den Personalberater Gold über 50, 100 und 200 m Rücken sowie über 400 m Freistil, obwohl er seinen Sport „nur noch zum Spaß und längst nicht mehr so zwanghaft wie früher“ ausübt. Dass er bei den Masters-Titelkämpfen immer wieder großen Schwimmern früherer Zeiten wie dem vierfachen Olympiasieger Wladimir Salnikow aus Leningrad begegnet, ist ihm eine große Freude und Leistungsanreiz. Man will schon beweisen: Was der kann, kann ich auch. Und im menschlichen Miteinander der Masters-Schwimmer gilt der Grundsatz: Vor dem Wettkampf sind wir Freunde, im Rennen wird gefightet, bis man blau anläuft, und nach dem Rennen wird geflachst, erzählt und das eine oder andere anregende Getränk verkostet.

Adrian Görler und Stephan Klevenz, als Software-Entwickler Kollegen in Walldorf, blicken ebenfalls auf schöne Erlebnisse zurück. Görler startete in Kranj über 100 m Freistil und belegte den für ihn höchst befriedigenden zehnten Platz, während Klevenz bei der deutschen Freiwasser-Meisterschaft 2017 in Hamburg den fünften Rang eroberte. Im gleichen Jahr schwamm er von Asien nach Europa, denn er nahm mit 2400 Schwimmern am Rennen durch den Bosporus teil und wurde nach 6,5 Kilometern 23. im Gesamtklassement und Sieger seiner Altersklasse 50. „Das Bosporus-Rennen ist das größte Schwimmereignis der Welt, und wie bei vielen Schwimmfesten gab es neben der Medaille ein nützliches Präsent für die Besten: ein Handtuch“, freut sich Stephan Klevenz und trainiert bereits für den nächsten Sommer.

Kaufmann Marc Vaupel ist als Schwimmer viel beschäftigt, denn er genießt ein Zweitstartrecht für den SCW Eschborn. Bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften im November in Gelsenkirchen glänzte er mit zwei deutschen Schmetterlingsrekorden, bei der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft in Gaualgesheim schwamm er im Januar drei deutsche und zwei europäische Rekorde.

Das Nesthäkchen unter den Nikar-Masters ist Julia Dammann, die in der Altersklasse 25 bis 29 ähnlich erfolgreich ist wie Christine Comtesse – Weltmeisterin 2017 und Europameisterin 2018 über 200 m Brust. Die Rostockerin kam als junges Mädchen an den Olympiastützpunkt Rhein-Neckar, besuchte das Willy-Hellpach-Wirtschaftsgymnasium, entwickelte sich bei Trainerin Uta Brandl zur Topathletin im Brustschwimmen und arbeitet nun als Erzieherin. Die Freude am Schwimmen und am Wettkampf hat sie nie verloren. Wie ihren Masters-Freunden hat ihr eine Sportpause diese Freude nicht genommen.

RNZ vom 15./16. Dezember 2018


Montag, 26. November 2018

Über das Abschneiden der Rugby-Nationalmannschaft bei der WM-Qualifikation in Marseille

„Schwarze Adler“ haben sich Respekt verschafft

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft wurde mit viel Beifall ihrer Schlachtenbummler und angemessenem Lob der Fachleute aus der zweiwöchigen WM-Qualifikation in Marseille entlassen. Das Team von Kapitän Michael Poppmeier (SC Frankfurt 1880) hat zwar wegen der 10:29-Niederlage gegen Turniersieger Kanada das drittgrößte Sportereignis nach der Fußball-WM und Olympia verpasst, sich aber mit allen drei Turnierspielen und vor allem mit dem abschließenden 43:6-Erfolg gegen Kenia Respekt verschafft.

Im Rugby zählt jeder Sieg und wirkt sich direkt auf die Weltrangliste aus. Die Deutschen sind auf Platz 29 ins Turnier gestartet und werden am heutigen Montag erfahren, was der Lohn ihrer Mühen ist. World Rugby wird die neueste Rangliste veröffentlichen. Im Rugby ist es bei einer Tournee im Ausland aber auch von Bedeutung, die Serie zu gewinnen, was den Spielern von Bundestrainer Mike Ford (England) mit 2:1 gelungen ist.

Bill Beaumont (66) hätte seine Serie auch gerne gewonnen. Der englische Zweite-Reihe-Hüne, der sein Nationalteam 1980 zum Grand Slam im Fünf-Nationen-Turnier geführt hatte, war im gleichen Jahr Kapitän der British & Irish Lions, die bei ihrer Südafrika-Tournee mit 0:3 scheiterten und von den „Springboks“ drei Mal bezwungen wurden. Heute ist Bill Beaumont Präsident von World Rugby und sagte in Marseille: „Die deutsche Mannschaft hat mich beeindruckt und keinesfalls enttäuscht. Das Team ist auf einem guten Weg und hat mit Mike Ford, den ich sehr gut kenne, einen exzellenten Trainer. Ich hoffe, dass sie ihren Weg weiter gehen können und dass es dem Verband gelingen wird, Rugby gut zu entwickeln.“ Und Gilbert Celli (San Marino), seit zwei Jahren Generalsekretär von Rugby Europe, sagte: „Gegen Kenia hat mich das deutsche Team begeistert. Leider waren die Kanadier noch einen Tick besser. Sie haben es verdient, bei der WM 2019 in Japan zu spielen.“

Darüber gab es in Marseille keine zwei Meinungen. Das deutsche Team, nach der Nachnominierung von Steffen Liebig (Heidelberger Ruderklub) für den verletzten Jamie Murphy (Bridgend Ravens) 31 Spieler und 16 Mitglieder des Funktionsstabes, hatte in jedem ihrer drei Turnierspiele sehr starke, aber auch einige unglückliche Spielphasen. Beim 26:9 gegen Hongkong war die erste Halbzeit (6:6) von überhastetem Spiel geprägt, ehe Ruhe einkehrte und der Knoten platzte. Bei der Verteidigungsschlacht gegen Kanada waren die ersten Minuten der zweiten Halbzeit fehlerhaft und spielentscheidend, als aus dem 7:10 ein 7:17 wurde. Und gegen Kenia wurden in der ersten Halbzeit (zu) viele Chancen vergeben, ehe die Afrikaner unter den Augen ihres kontinentalen Präsident Abdelaziz Bougja (Marokko) dem deutschen Powerplay nicht mehr gewachsen waren und klassisch ausgespielt wurden. Als Fazit bleibt: Wenn die „Schwarzen Adler“ viel verteidigen müssen und kontern können, sind sie gut. Wenn sie das Spiel machen müssen und der Gegner nur wenige Chancen zulässt, haben sie Steigerungspotenzial.

In Marseille war Flankenstürmer Sebastian Ferreira, in Chambéry unter Vertrag, der beste Spieler aller vier Teams und hat sich das Prädikat „Weltklasse“ verdient. Bester Punktesammler war Verbinder Raynor Parkinson vom SC Frankfurt 1880 mit 26 der insgesamt 79 deutschen Punkte aus vier Straftritten und sieben Erhöhungen. Ferreira erzielte mit drei Versuchen 15 Punkte, Hakler Kurt Haupt zehn Punkte, Matthias Schösser, Dash Barber, Jacobus Otto, Steffen Liebig und Harris Aounallah jeweils fünf und Christopher Hilsenbeck drei Punkte.

Ob Mike Ford die Fünfzehn weiter betreuen darf, wird sich am 8. Dezember entscheiden, wenn DRV-Präsident Robin Stalker (Nürnberg) den Führungsgremien seinen Geschäftsplan, den Personalplan und das Budget vorlegen wird. Kapitän Poppmeier (36) sagte zu seiner Zukunft: „Ich bin dabei, wenn Ford weitermacht.“ Das gilt auch für andere.


RNZ am 26. November 2018

Über die WM-Qualifikation im Rugby in Marseille


Bei Bouillabaisse und Andouillette

Frankreich ist blockiert. Aus Protest über die Benzinpreis-Erhöhung und die Kürzung von Sozialleistungen haben fast 300 000 Bürgerinnen und Bürger in gelben Signalwesten rund 2080 Verkehrsknotenpunkte im ganzen Land besetzt. Die Aktionen zeigen Wirkung, zumal die Sonntagsfrage eines Nachrichtensenders ergeben hat, dass nur 25 Prozent der Franzosen ihren Staatspräsidenten Emmanuel Macron noch mögen. „Hauptsache, das Essen schmeckt!“, flötet mein Papagei angesichts der gut frequentierten Restaurants im Alten Hafen von Marseille und fügt ein bisschen altklug hinzu: „Zum Demonstrieren braucht man Kraft.“

Zum Rugbyspielen auch, weshalb es kein Wunder ist, dass während der WM-Qualifikation in Europas größter Hafenstadt immer wieder Gruppen von Nationalspielern den Quai des Belges oder den Quai du Port entlangschlendern. Den Anfang machten die Spieler aus Hongkong, die vom Weltverband in Marseille einquartiert wurden, weil sie vor dem Turnier in der Weltrangliste am besten platziert waren. Hongkong hat mit Yiu Kam Shing nur einen einzigen Spieler mit chinesischen Wurzeln im 30-er Team, alle anderen Akteure kommen aus Australien, Großbritannien, Neuseeland oder Südafrika. „Einer heißt Max Denmark“, weiß man Papagei, „das verrät doch alles!“ Die Spieler Hongkongs sind fröhlich und bevölkern gerne die Filialen des Fußballklubs Olympique, dessen weiß-blaue Trainingsanzüge tatsächlich todschick sind.

Am Sonntagabend marschierten die etwas außerhalb wohnenden Hünen aus Kanada an den gut 2 000 großen und kleinen Yachten vorbei, angeführt von Jamie Cudmore (40), dem berühmtesten kanadischen Rugbystürmer, der mit seinen 118 Kilogramm auf 1,96 Meter bei seinen europäischen Klubs in Llandovery, Llanelli und Grenoble einen tiefen Eindruck hinterlassen hatte und 2010 mit dem AS Clermont-Auvergne als erster Kanadier französischer Meister geworden war. Cudmore führte seine am Vorabend gegen Deutschland siegreichen jungen Landsleute – in einen Irish Pub...

Dabei hat der starke Mann gewiss gewusst, dass in Marseille Besonderes geschieht. Hier geht die Küche des Mittelmeers mit den leckeren Gemüsen, der würzigen Bouillabaisse, den zarten Goldbrassen und den frischen Krustentieren mit den Spezialitäten aus der Provence, den Schinkenbraten, den Kalbsnieren oder den Andouilletten, dicken Würstchen aus Darm und Magen von Schweinen, eine glückliche Ehe ein. Nicht von ungefähr sind die Griechen um 600 vor Christus hier angelandet, und dass zum Anwärmen des Magens der Pastis de Marseille erfunden wurde, ist auch kein Zufall.

Misserfolg wird im Rugby bestraft. Weil die meisten deutschen Asse die fünf Spiele der Europameisterschaft 2018 bestreikt hatten, war das Team auf Ranglistenplatz 29 abgesunken und erhielt wie Kenia ein Quartier im Novotel von Aix-en-Provence, gute anderthalb Stunden vom Alten Hafen entfernt. „Wir haben es dort gut“, versicherte Teamchef Kobus Potgieter, zumal es ihm gelungen sei, den Küchenchef etwas umzuschulen: „Weniger Pommes frites und nicht so viel Weißbrot, mehr Sportlernahrung.“ Die Spieler, obwohl alle schon über 18, trinken nur Wasser, Orangina oder Apfelsaftschorle, die Trainer dürfen ihre Zungen durchaus auch mal im Merlot oder dem zu Meeresfrüchten besonders gut passenden Picpoul de Pinet baden.

Am Dienstag freilich, als mein Papagei über dem Hafen kreiste und seinen Freundinnen, den Möwen mit den gelben Schnäbeln, zusah, wie sie sich auf den Beifang der Fischer stürzten, spazierten auch die deutschen Nationalspieler durch Marseille. Nach dem kräftezehrenden Spiel gegen Kanada und zwei Analyse- und Pflegetagen hatten sie ihren freien Tag und genossen in der Drei-Millionen-Stadt das sonnige Wetter. Im Hafen gab’s Erfrischungen und ein leckeres Mittagessen, aber keinen „Beifang“, schließlich ist der deutsche Nationalspieler ein durch und durch anständiger Mensch und wird, sofern zur Unterstützung auch im dritten Spiel ans Mittelmeer gereist, von seiner Ehefrau oder Lebensabschnittsgefährtin begleitet.

Gestern Abend aber, nach dem abschließenden Match gegen Kenia, war es endlich soweit: Michael Poppmeier und seine Kameraden durften ein Glas Bier oder einen Wein genießen. Wenn es nach Kobus Potgieter ging, „sogar zwei oder drei...“

RNZ, Aufgespielt am 24. November 2018


Sonntag, 4. November 2018

Samstag, 20. Oktober 2018

Über das VIII. Ballspielsymposium in Karlsruhe


Gewaltige Herausforderung für die Spielsportarten

Weil man die Zukunft gemeinsam besser meistern kann und die Sorgen ähnlich sind, haben sich die baden-württembergischen Verbände im Basketball, Fußball, Handball und Volleyball 2002 zum Verein Ballspielsymposium Karlsruhe zusammengeschlossen; später kam der Rugby-Verband dazu. Am 28. und 29. September 2018 trafen sich rund 250 Ballspielende aus elf Fachverbänden im Karlsruher Institut für Technologie (KIT), um beim VIII. Ballspielsymposium bei Hauptvorträgen, in einer Podiumsdiskussion und in 22 sportpraktischen und theoretischen Workshops zu untersuchen, ob die kühne These „Ballsport hat Zukunft!“ wirklich stimmt.

Nach zwei Tagen, von den Volleyballern Harald W. Schoch und Daniel Kraft federführend organisiert und von allen elf Verbänden partnerschaftlich unterstützt, fasste Heinz Janalik, der Ehrenpräsident des Badischen Sportbundes, die Ergebnisse der Tagung zusammen: „Die Zukunft des Ballsports und seiner Vereine ist gesichert, wenn die Toleranz des Establishments für Neues und für Veränderungen gegeben ist.“ Die Ballsportler seien – wie der von Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln interpretierte Sportentwicklungsbericht für Deutschland beweist – auf die Herausforderungen besser eingestellt als die Individualisten, aber nicht frei von Sorgen. Janalik hielt als wesentlichen Punkt der seit 2002 in die deutsche Sportentwicklungspolitik einfließenden „Karlsruher Thesen“ fest: „Nur Vereine, die die Not jetzt erkennen, und bereit sind, sich zu wenden, wenn sie also den Notwendigkeiten gerecht werden, werden überleben.“

Die Herausforderungen: Durch die geburtenschwachen Jahrgänge gibt es weniger Kinder, um die die Vereine in über 50 baden-württembergischen Fachverbänden buhlen. Die Chance: Wer sich um den Nachwuchs bemüht und ihn pädagogisch und didaktisch wertvoll fördert, muss sich keine Sorgen machen.

Es sind immer weniger junge Menschen bereit, ehrenamtlich als Übungsleiter und Trainer zu wirken. Der staatliche Zuschuss von 2,50 Euro pro Stunde (maximal 500 Euro im Jahr) lockt kaum. Die Chance: Wer darin geschickt ist, junge Menschen zu motivieren und sie vom Wert ihrer Aufgabe zu überzeugen, wird das Problem lösen. Wer eine adäquate Belohnung anbieten kann, ist besser dran.

Die Aufgabe der Vereinsführung wird immer komplexer, von Bürokratieabbau kann leider keine Rede sein. Etliche Vorstandsposten sind in den Vereinen unbesetzt. Die Chance: Wem es gelingt, jüngere Menschen, insbesondere Frauen – die viel mehr können als sie selbst glauben! – und fitte Senioren anzusprechen und durch die klugen und vielfältigen Programme der Sportbünde zu qualifizieren, ist nicht allein im Vorstand und muss unter der Last der Verantwortung auch nicht ächzen.

Die Finanzierung der Vereinsarbeit ist nicht einfach. Oft decken die Beiträge der Mitglieder die Kosten der Sportausübung nicht. Die Chance: Wer ein vernünftiges Vereinskonzept vorweisen und beweisen kann, dass er nicht ins Blaue hinein plant und trainiert, wer Ziele formuliert und die Wege zum Erfolg beschreibt, ist bei der Suche nach Sponsoren und Zuschüssen sicher erfolgreich.

Die Ganztagesschule, die Unterricht bis 17 Uhr bietet und danach Hausaufgaben fordert, zieht Kinder und Jugendliche aus den Vereinen. Die Bereitschaft der Schulen, Übungsleiter der Vereine zur Unterstützung des drögen Sportunterrichts in die Schulen zu locken und adäquat zu entlohnen, ist flächendeckend nicht gegeben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Chance: Das Ministerium ist offen für Verbesserungsvorschläge. 

Die Bundesregierung fördert Individualsportarten viel besser als den Teamsport, weil man dadurch mehr olympische Medaillen erreichen kann. Das besorgt vor allem die Spitzenverbände, wirkt sich aber auch auf die Nachwuchsarbeit im Lande aus. Die Chance: Keine, eine Lösung ist weithin nicht in Sicht.
     
 Heinz Janalik empfiehlt Netzwerkpflege: Der Verein allein ist schwach. Gemeinsam mit der Kommune, dem Verband, der Schule, der Wissenschaft und Sponsoren kann er bärenstark sein.