Mittwoch, 28. Januar 2026

Es geht nur um den Klassenverbleib

Deutschland startet gegen Rumänien und Portugal in die Rückrunde der Europameisterschaft

Für die deutsche Rugby-Nationalmannschaft beginnt die Rückrunde der Saison 2025/26 am 8. Februar um 16 Uhr im Aue-Stadion in Kassel mit einem Heimspiel gegen Rumänien. Die Schützlinge von Nationaltrainer Mark Kuhlmann (56) aus Heilbronn müssen binnen sechs Wochen fünf EM-Spiele bestreiten, was für eine überwiegend aus Amateurspielern bestehende Fünfzehn „sehr schwer“ ist.

Die Deutschen spielen in der European Championship, also in der höchsten kontinentalen Liga, und treffen in den Gruppenspielen außerdem auf Portugal (14. Februar, 13 Uhr in Dessau) und Belgien (21. Februar, 20 Uhr in Mons). Danach folgen ein Überkreuzspiel gegen ein Team aus der anderen Gruppe und ein Platzierungsspiel. In der anderen Gruppe spielen Titelverteidiger Georgien, Spanien, die Niederlande und die Schweiz. In der Vorrunde 2025 hat Kuhlmanns Team alle fünf Spiele verloren, weshalb der Nationaltrainer, als Versicherungskaufmann der MLP AG ein kühler Rechner, nur ein Ziel nennt: „Den Klassenverbleib.“

Zwar gibt es auch im Rugby, dem kontrolliertesten aller Ballspiele, hin und wieder Überraschungen, doch Trainer sollten nicht träumen, sondern die Realität erkennen und bewerten. Wenn alles ganz normal läuft, wird das junge Team von Rugby Deutschland gegen Rumänien, das einen mächtigen Sturm hat, und gegen die flinken Portugiesen verlieren. In Belgien besteht eine klitzekleine Siegchance, obwohl die taktisch viel besseren westlichen Nachbarn am 16. Februar 2025 in Kassel mit 39:19 überlegen waren. Im Überkreuzspiel und dem Platzierungsmatch dürften die Gegner Niederlande und Schweiz heißen, und Kuhlmann geht davon aus, dass sein Team gegen die Eidgenossen besser spielen wird als im März letzten Jahres, als es in Heidelberg eine fast unbegreifliche 17:20-Niederlage setzte.

Kuhlmann und die seine beiden Assistenten Michael Poppmeier und Samy Füchsel (beide Frankfurt) werden in dieser Saison von dem südafrikanischen Gedränge-Spezialisten BJ Botha (46/Natal Sharks) unterstützt, der als Stürmer 2007 in Frankreich mit den Springboks Weltmeister war. Außerdem – und das ist neu und für die Trainer eine enorme Entlastung – gibt es mit Ulrike Faye vom Heidelberger Ruderklub und Erik Schulze vom RK Heusenstamm zwei Teammanager, die ehrenamtlich und mit Herzblut den organisatorischen Rahmen für die internationalen Aufgaben schaffen.

Die deutsche Mannschaft, die für diese EM-Kampagne 33 Spieler umfassen wird, hat sich gewissenhaft vorbereitet und bei internationalen Vergleichen zwei Siege errungen: In Gloucester gab es am Erinnerungstag an den Ersten Weltkrieg einen 29:24-Erfolg gegen die Auswahl der British Armed Forces, in Heidelberg beim Testmatch über 100 Minuten einen 45:26-Sieg über Pogon Awenta Siedlce, der die polnische Ekstraliga mit drei Punkten Vorsprung anführt.

Neuer Kapitän ist Justin Renc (25), der unermüdliche Flankenstürmer des TSV Handschuhsheim, der in zumindest einigen EM-Spielen auch die starken Stürmer Eric Marks von der französischen Zweitliga-Spitzenmannschaft Vannes, Shawn Ingle aus dem englischen Maidenhead und Luis Ball vom schottischen Topclub Watsonians Edinburgh an seiner Seite hat. Die Nominierung für die ersten beiden Spiele werden die Trainer am Wochenende vornehmen, wobei Spielmacher Christopher Hennig vom FC Grenoble und der 35-jährige eisenharte Erste-Reihe-Knochen Nicola Breglia aus dem italienischen Aquila sicherlich gute Chancen haben werden. Außerdem stehen weitere elf Akteure der Heidelberger Klubs HRK, RGH und SCN zur Auswahl bereit.


Eine Niederlage, die Mut macht

2. Gewichtheber-Bundesliga: Maksym Kara bester Akteur gegen Gräfenroda

Bernd Börgerding war zufrieden. Der Vorsitzende des AC Germania St. Ilgen hatte bei der 583,2:600-Niederlage seiner Staffel gegen den Tabellendritten SV Gräfenroda sogar „Spaß empfunden“. St. Ilgen, ohne die operierten Lina Gossmann (Fuß) und Lilli Svatek (Handgelenk) sowie ohne die verletzten Alisa Arda (Rücken) und Mandy Treutlein (Schulter), hatte mit einer Niederlage gegen die Thüringer rechnen müssen, doch waren die Leistungen durchaus ansprechend. Das beidarmige Stoßen gewann Gräfenroda mit 369:368,9 Kilopunkten – um 100 Gramm also, was vor allem daran lag, dass die Gäste in dieser Teildisziplin keinen einzigen Fehlversuch hatten.

Bester Heber vor 80 Zuschauern in der Aegidiushalle war Maksym Kara mit 127 kg im Reißen und 155 kg im Stoßen, was 131 Kilopunkte ergab. Der 19-jährige deutsche Meister der Junioren und Männer wog am Samstag 76,5 kg, wurde auch von seinem Vater beglückwünscht und fühlt sich seit dem 12. Dezember 2025 jeder Aufgabe gewachsen. Der aus dem ukrainischen Odessa stammende Maksym Kara spricht hervorragend Deutsch, macht eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei Pfitzenmeier und gehört neuerdings dem Nachwuchskader des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber an. „Es läuft!“, findet Maksym Kara.

Rückblende: Zwei Wochen vor Weihnachten fuhr Kara als Titelverteidiger im Mittelgewicht (bis 79 kg) zu den deutschen Meisterschaften nach Böbingen, wo er den Titel mit 130 kg im Reißen und 156 kg im Stoßen, mithin 286 im Zweikampf, souverän gewann, denn Vizemeister Lukas Walker vom TSV Röthenbach hatte nur 267 kg und der drittplatzierte Isaac Molina Becker vom TuS Raubling 250 kg zu Buche stehen. Maksym Kara orientierte sich daher an dem gleichaltrigen Robert Moritz Hennig vom ASK Frankfurt/Oder, der allerdings in der Gewichtsklasse bis 88 kg antrat. „Als Robert im Reißen nur neun Kilo mehr hob als ich, hat es ,klick‘ gemacht. Da wusste ich, dass ich Meister werden kann. Da war ich wie ein Tiger auf der Jagd“, erinnert sich der St. Ilgener Spitzenheber.

Sehr respektable Leistungen zeigten der kurzfristig eingesprungene Trainer Robby Behm, der im zarten Alter von 39 Jahren seine Saison-Bestleistung um neun auf glatte 100 Kilopunkte steigerte, während Mehmet Milli, der 28-jährige Pädagogik-Student der Uni Frankfurt/Main, mit 119 kg im Reißen und 92 Kilopunkten zwei neue Bestleistungen aufstellte. Lauter gültige Versuche hatten der aus Rostock an die Heidelberger Willy-Hellpach-Schule gewechselte Fiete Glücklich mit 99 kg im Reißen und das 16-jährige Eigengewächs Justus Ruffert mit 120 kg im Stoßen. „In der letzten Woche habe ich meine Atemtechnik vor dem Ausstoßen verbessert“, ließ Ruffert wissen und freut sich bereits auf den nächsten Einsatz in der ersten Mannschaft der „Germanen“. Vielleicht schon am 7. Februar im Bundesleistungszentrum in Leimen gegen den AC Weinheim. „Vielleicht bringen unsere Heber ja mal all ihre Freunde mit, dann hätten wir ein volles Haus“, hofft Sportwart Ringo Gossmann auf mehr Unterstützung für seine junge Staffel.

AC St. Ilgen – SV Gräfenroda 583,2:600, St. Ilgen: Maksym Kara (76,5 kg Körpergewicht) 127 kg in Reißen + 155 kg im Stoßen = 282 kg in Zweikampf/131 Kilopunkte; Sophie Meike Eichkorn (59,8) 66 + 86 = 152/102; Robby Behm (99,6) 131 + 164 = 295/100; Justus Moritz (80,6) 117 + 140 = 257/95,8; Mehmet Milli (83,5) 119 + 140 = 259/92; Fiete Glücklich (82,6) 99 im Reißen/16,4; Justus Ruffert (75,5) 120 im Stoßen/46.

Gräfenroda: Marc Pfeiffer (75,5) 116 + 148 = 264/116; Simona Jerabkova (72,9) 80 + 108 = 188/110; Jakub Bartecek (97,5) 130 + 170 = 300/107; Franziska Erbert (62,9) 69 + 85 = 154/97; Lotta Frank (52,5) 60 + 68 = 128/93; Carina Gerlach (56,2) 53 + 67 = 120/77.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Für das Lebenswerk im Schwimmen ausgezeichnet

Dr. Michael Spikermann vom OSP Metropolregion Rhein-Neckar erhielt den Trainerpreis des LSV 2025

Der Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) hat am Dienstagabend im Porsche-Museum in Zuffenhausen zum 29. Mal und unter der bewährt-humorvollen Moderation von Michael Antwerpes die Trainerpreise 2025 vergeben. Eine Jury unter der Leitung des LSV-Präsidenten Jürgen Scholz hatte aus den sehr zahlreichen Bewerbungen drei Trainer und eine Institution ausgewählt, die diesmal auch persönlich zur Auszeichnung in schickem Rahmen erschienen waren.

Den Trainerpreis für sein Lebenswerk erhielt Dr. Michael Spikermann, der langjährige Bundesstützpunkttrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes und Landestrainer der ARGE Schwimmen in Baden-Württemberg, dessen Wirkungsfeld seit 35 Jahren der Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar ist.

Michael Spikermann (66) lebt in Rimbach im Odenwald, ist promovierter Sportwissenschaftler, Autor trainingswissenschaftlicher Bücher und einer der erfolgreichsten Schwimmtrainer Deutschlands. Das wurde aus der mit liebevollen Emotionen vorgetragenen Laudatio seines ehemaligen Schützlings Simone Ulrich (früher Weiler, ganz früher Karn) deutlich. Spikermann hat elf Athletinnen und Athleten zwischen 1992 und 2021 zu acht Olympischen Spielen geführt. Mark Pinger über 4x100 m Freistil 1992 und 1996, Petra Dallmann über 4x200 m Freistil 2004 und Sarah Wellbrock (früher Köhler) über 1500 m Freistil 2021 haben dabei vier Medaillen gewonnen. Insgesamt kamen Spikermanns Schützlinge auf rund 80 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften und auf eine dreistellige Anzahl an deutschen Meistertiteln, wovon in nicht geringem Maße der SV Nikar Heidelberg profitierte.

In seinen prägenden Lehrjahren als Schwimmtrainer hat er in Offenbach Hartmut Oeleker assistiert und war in den Aufbau und die Laufbahn von Olympiasieger und Weltrekordler Michael Groß eingebunden. In Heidelberg entwickelte er sich zu einem selbstbewussten Trainer, der laut „Simi“ Ulrich „mit Leidenschaft, Hingabe, Humor und unerschütterlichem Glauben an das Potenzial und die Fähigkeiten seiner Schützlinge“ gearbeitet hat. Er war immer ganz genau vorbereitet, was sich auch dadurch zeigte, „dass er seine Trainingspläne mit der Schreibmaschine geschrien hat.“ Michael Spikermann sei ein strenger, fordernder Trainer gewesen, „der aber auch mal Fünfe gerade sein lassen konnte“.

Weitere mit jeweils 3000 Euro dotierte Trainerpreise erhielten der Ringertrainer Sedat Sevsay (52) vom ASV Schorndorf, dessen Schützling und Stiefsohn Jello Krahmer der einzige deutsche Olympiaringer in Paris war und häufig am OSP in Heidelberg betreut wird, und der 69-jährige Klaus Faißt, der seit 33 Jahren am Bundesstützpunkt der Nordischen Kombinierer in Baiersbronn tätig ist und seinen Sohn Manuel zu Olympia-Silber geführt hat. Den LSV-Ehrenpreis überreichte der Stuttgarter Tatort-Hauptkommissar Thorsten Lannert (alias Richy Müller und ohne Porsche 911 ins Museum geeilt) an die Landespolizei, deren Spitzensport-Förderung 20 Jahre alt wurde.

Frische Luft bei Rugby Deutschland

Michael Seidler und sein Präsidium haben gravierende Altlasten beseitigt

Nach 126 Jahren hat sich der Deutsche Rugby-Verband in Rugby Deutschland e. V. umbenannt und seinen Sitz von Hannover nach Heidelberg verlegt, wo die Geschäftsführung im Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar im Neuenheimer Feld residiert. Das ist ein Ergebnis des Deutschen Rugby-Tages 2025, der am Samstag mit erheblicher Verspätung in der Sportschule des Landessportbundes Berlin stattfand und Präsident Michael Seidler (67) vom Berliner RC mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigte.

Der erfahrene Wirtschaftsführer freute sich über die „sachlichen Diskussionen und die vielen guten Beschlüsse“ bei diesem DRT, bei dem Jürgen Schlicksupp (TSV Handschuhsheim) als Leistungssport-Vizepräsident, Professor Dr. Ulrich Tödtmann (Heidelberger RK) als Good Governance-Beauftragter und Dirk Frase (SC Neuenheim) als Beauftragter für Inklusion und Prävention gegen sexualisierte Gewalt gewählt und Sophie Hacker (HRK) als Athletensprecherin bestätigt wurden.

Nachdem die Mitgliederversammlung dem verstorbenen ehemaligen Nationaltrainer Ivo Paracek (08 Ricklingen) gedacht hatte, verkündete Michael Seidler zwei bedeutende Ehrungen. Maria Latos (Hamburg) erhielt nach ihrem Schiedsrichter-Einsatz bei den Olympischen Spielen in Paris den Verdienstwimpel, Susanne Wodarz (Frankfurt/Main), seit 2003 Antidoping-Beauftragte ohne jeglichen Doping-Verstoß im Verband, bekam den Goldenen Rugbyball. Damit es im Rugby auch künftig fair zugeht, startet der Bundesliga-Ausschuss nun mit einem Pilotprojekt, wonach Tätlichkeiten aufgrund eines Videobeweises auch in den Tagen nach einem Spiel geahndet werden sollen.

Beim Deutschen Rugby-Tag herrschte deshalb eine so positive Atmosphäre, weil Präsident Seidler zwei Stunden lang in allen Details über die Misswirtschaft früherer Vorstände und Präsidien von 2016 bis 2024 Auskunft gab und jede Frage umfassend beantwortete. Ein Wirtschaftsprüfer und diverse Behörden haben sich mit den Machenschaften in diesem Zeitraum befasst und Verstöße gegen die Satzung, gegen Gesetze und gegen die Abgabenordnung festgestellt. So musste der DRV wegen des Ausstellens einer falschen Spendenbescheinigung eine teure Bestrafung des Finanzamtes Hannover akzeptieren, das dem Verband für 2019 und 2020 auch die Gemeinnützigkeit entzogen hat. „In den letzten zehn Monaten habe ich mich ausschließlich um die Beseitigung ärgerlicher Altlasten kümmern müssen“, sagte Michael Seidler.

Dazu gehörte auch, die Beziehungen zu World Rugby und Rugby Europe zu normalisieren, weshalb von diesen Institutionen nun wieder Zuschüsse in bedeutendem Umfang fließen werden. Außerdem ist es dem Vorstand Florian Hartmann (Berlin) und der Deutschen Rugby-Marketing GmbH gelungen, neue Sponsoren zu gewinnen, so dass die Liquidität von RD gesichert ist und alle Nationalteams ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen können. Ein Turnier der Siebenerrugby-EM wird vom 3. bis 5. Juli in Hamburg stattfinden, das Match der Frauen-EM gegen Finnland am 28. Februar in Heidelberg.

Sonntag, 4. Januar 2026

Nazar Chepurnyi hat es in Heidelberg gefallen

Der Spitzenturner der Ukraine war bei Klaus Kreutz zu Gast und trainierte im Turnzentrum

Auch über ein Jahr nach dem Rückzug der KTG Heidelberg aus der 2. Kunstturn-Bundesliga der Männer lässt das Spitzenturnen Klaus Kreutz nicht los. Der 65-jährige Heidelberger, der mit seiner Ehefrau in der Höhe über Ziegelhausen lebt, wird den ukrainischen Athleten Nazar Chepurnyi bei den beiden Weltcups vom 19. bis zum 22. Februar in Cottbus und vom 5. bis zum 8. März in Baku betreuen.

„Ich möchte diese Gelegenheiten auch dazu nutzen, meine vielfältigen Kontakte zu den Nationalteams mehrerer Länder auszubauen und Spitzenturnern zu helfen, in den deutschen Bundesligen Fuß zu fassen“, sagt Klaus Kreutz, der bis 2004 Lehrer an einem privaten Gymnasium in Mannheim war und seither für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) viele Länder bereist hat, in denen das Kunstturnen einen höheren Bekanntheitsgrad und Stellenwert hat als in Deutschland. Trotz der großartigen Erfolge von Elisabeth Seitz, Kim Bui, Eberhard Gienger, Fabian Hambüchen oder Lukas Dauser und trotz einer sehr komfortablen Leistungssport-Förderung lockt das Kunstturnen hierzulande nur bei internationalen Meisterschaften ein größeres Publikum an. Wettkämpfe der Bundesliga erreichen selten vierstellige Zuschauerzahlen, die Zweitliga-Wettkämpfe der KTG Heidelberg besuchten kaum 300 Turnturn-Enthusiasten.

In den letzten Jahren hat Klaus Kreutz immer wieder Spitzenturner nach Deutschland gelockt. Tomoya Kashiwagi aus Japan begeisterte die Heidelberger nicht nur als Sechskämpfer und Topscorer, sondern auch als Kindertrainer, bevor er mit der KTV Straubenhardt deutscher Mannschaftsmeister wurde. Der japanische Jugend-Olympiasieger Kenya Yuasa wohnte ein paar Wochen bei Klaus Kreutz in Ziegelhausen und turnt seit 2023 bei der TG Saar. Der nette Lette Richard Plate kam durch Kreutz zur KTG Heidelberg und stabilisierte die Riege trotz einer langwierigen und schmerzhaften Schulterverletzung, ehe er vom Gym Team Essen dankbar aufgenommen wurde. Und der Israeli Ilia Liubimov wurde von Kreuz an den Erstligisten TG Saar vermittelt, wo er am Seitpferd, Barren und Reck hervorragende Leistungen für den Tabellendritten der Saison 2025 erbringt. In der nächsten Saison könnten weitere Spitzenturner aus dem Ausland in deutschen Vereinen tätig werden, denn eine Bundesliga-Riege darf dann bis zu fünf Gastturner aufnehmen.

In der abgelaufenen Saison hat Nazar Chepurnyi mit dem MTV Ludwigsburg, dem Verein des jungen deutschen Topturners Timo Eder, in der Bundesliga den achten Platz belegt und zählte am Boden, Pauschenpferd und an seinem Spezialgerät Sprung stets zu den Besten. Der am 3. September 2002 in Cherkasy rund 250 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew geborene Chepurnyi bewohnte ein Gästezimmer in Ziegelhausen, liebte den selbst gebackenen Marmorkuchen von Frau Kreutz und konnte sich beim Training im Heidelberger Turnzentrum und bei den Wettkämpfen für Ludwigsburg ganz auf seinen Sport konzentrieren. „Ich fühle mich hier sehr wohl und bin glücklich“, sagt Nazar Chepurnyi in einwandfreiem Englisch und hat in seiner Freizeit begonnen, die deutsche Sprache zu erlernen.

Der 23-jährige Sohn eines 55-jährigen Fliesenlegers und passionierten Ruderers und einer Friseurin begann im Alter von vier Jahren mit dem Turnen und hatte mit 14 den ersten Einsatz in einer Nationalmannschaft der Ukraine, deren Verteidigungsministerium ihn vom Kriegsdienst freigestellt hat. „Das gilt momentan“, sagt Nazar Chepurnyi, der nicht ausschließen kann, eines Tages doch eingezogen zu werden, falls sich die momentan schon schwierige militärische Lage nach dem grausamen Überfall der Russen vor vier Jahren weiter verschlechtern sollte. Seine persönlichen politischen Einschätzungen möchte er nicht preisgeben, um seinen privilegierten Status als Spitzensportler nicht zu gefährden.

Denn Nazar Chepurnyi, der in der Heimat von Gennady Sartynskyi trainiert wird, ist im Kunsturnen kein Namenloser. Der Junioren-Weltmeister am Barren von 2019 in Györ und Studenten-Weltmeister im Sprung von 2021 in Chengdu hat bei den Weltmeisterschaften 2023 in Antwerpen und 2025 in Jakarta die Bronzemedaillen am Sprung gewonnen und ist mit dem ukrainischen Team 2024 in Rimini Europameister geworden. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris wurde Nazar Chepurnyi Sechster am Sprung und Fünfter im Team-Mehrkampf. Hier gelang den auf Rang zwölf gestarteten Ukrainern eine Verbesserung um sagenhafte sieben Plätze.

Gegenwärtig bemüht sich Klaus Kreutz darum, nicht nur der Riege der Ukraine das der Stadt Heidelberg liebe und teure Turnzentrum als Vorbereitungsstätte vor internationalen Meisterschaften schmackhaft zu machen. Nach den Weltcups in Cottbus und Baku locken die Weltmeisterschaften im Oktober 2026 in Rotterdam. Erste Gespräche mit Sportamt und Sportkreis Heidelberg hat Klaus Kreutz geführt. Mal sehen, ob er seine Träume verwirklichen kann.